Erstellt am 07. März 2011, 11:23

Spitalreform: Fast zwei Drittel für Bundeskompetenz. Drei Viertel der Österreicher glauben an eine Gesundheitsreform. In einer "Oekonsult"-Umfrage für die APA zeigten sich 75,5 Prozent der Befragten optimistisch, dass es dafür noch heuer nennenswerte Fortschritte geben werde.

 |  NOEN, Wodicka; A-4062 Thening
Inhaltlich unterstützen die Österreicher die Pläne von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) für mehr Bundeskompetenzen bei den Spitälern. Nicht ganz zwei Drittel wollen sowohl Planung und Steuerung des Gesundheitssystems als auch die Finanzierung überwiegend in Bundeshand sehen.

Eine einheitliche Planung und Steuerung des Gesundheitssystems durch den Bund unterstützen 62,2 Prozent der Österreicher. Nur 36,8 Prozent wollen diese Kompetenz vorrangig in der Hand der Länder sehen. Ganz ähnlich auch das Ergebnis bezüglich der Finanzierung: 64,4 Prozent wollen diese gebündelt in einem Topf in Bundeskompetenz, nur 35,3 Prozent plädieren hingegen für eine überwiegende Länderkompetenz mit neun Landestöpfen, wie das die Landesgesundheitsreferenten erst am vergangenen Freitag in ihrem Konzept vorgeschlagen haben. Dementsprechend treten auch mehr als drei Viertel (77,4 Prozent) für ein bundesweit einheitliches Gesamtkonzept für das Gesundheitswesen ein.

Dass nun doch endlich Bewegung in die Diskussion um eine Gesundheits- und Spitalsreform kommt, begrüßen satte 86,6 Prozent. Dabei werden die Bemühungen des Gesundheitsminister in der Bevölkerung mit Wohlwollen aufgenommen: 80,3 Prozent der Befragten in der "Oekonsult"-Umfrage meinen, Stöger habe sich in den vergangenen Wochen häufig und deutlich eingebracht, nur für 19,4 Prozent war er kaum wahrnehmbar. Der Gesundheitsminister hat in den letzten Monaten auch seine Kompetenzwerte fast verdoppelt. Im Juni des Vorjahres hatten nur zehn Prozent der Befragten ihn am ehesten für kompetent und befähigt gehalten, notwendige Strukturveränderungen durchzuführen - jetzt hat sich Stöger mit 18,8 Prozent an die Spitze der Reihung gesetzt. Dahinter folgen jetzt mit 16,8 Prozent der Hauptverband und mit 13,7 Prozent der Bundeskanzler. Erst danach werden mit 13,5 Prozent die Landeshauptleute genannt, die allerdings im Vergleich zum letzten Juni ihren Wert ebenfalls um fünf Prozentpunkte steigern konnten. Bei der jetzt zur Schau gestellten Reformbegeisterung mächtiger Landeschefs, wie des Oberösterreichers Josef Pühringer oder des Niederösterreichers Erwin Pröll (beide V), halten 80,9 Prozent der Österreicher Skepsis für angebracht.

Für die Krankenkassen fordern vier von fünf Österreichern (82,3 Prozent) eine Fortsetzung des Sanierungskurses. Dementsprechend plädieren 72,2 Prozent dafür, den zuletzt von den Kassen erwirtschafteten Überschuss für den weiteren Schuldenabbau zu verwenden. Nur ein Viertel (27,2 Prozent) wollen das Geld in neue Ausgaben und Leistungen der Kassen investieren. Den von Stöger in Begutachtung geschickten Gesetzesentwurf für ein transparentes Wartezeitenmanagement für geplante Operationen unterstützen 87,5 Prozent. Und 88 Prozent der Befragten fordern eine konkrete Umsetzung der Pläne für die E-Medikation.

"Oekonsult" hat vom 25. Februar bis 6. März 1.291 repräsentativ ausgewählte Österreicher im Alter von 15 bis 81 Jahren befragt.