Erstellt am 10. Januar 2012, 12:58

Sprachliche Frühförderung - Kritik in Begutachtung. Der Entwurf einer 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur sprachlichen Frühförderung für Kinder hat in der Begutachtung weitere Kritik hervorgerufen.

So bemängelt etwa der "Verband für Angewandte Linguistik", dass der Entwurf in einigen Punkten nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entspreche. Der Rechnungshof (RH) kritisiert die Aufsplittung der Vollzugkompetenzen.

Ziel ist es laut Entwurf, Kinder zwischen drei und sechs Jahren, die über mangelnde Deutschkenntnisse verfügen und "insbesondere jene mit nicht-deutscher Muttersprache", in Kinderbetreuungseinrichtungen so zu fördern, dass sie mit Eintritt in die Volksschule die Unterrichtssprache nach einheitlichen Deutschstandards möglichst beherrschen. Die Regierung hatte 2011 die Mittel für die sprachliche Frühförderung - von 2008 bis 2010 fünf Mio. Euro jährlich - auslaufen lassen. Integrationsstaatssekretär Kurz (ÖVP) konnte für 2012 bis 2014 schließlich jährlich fünf Mio. Euro herausschlagen, wobei jeder Euro von den Ländern verdoppelt werden muss.

Weil der Entwurf in einigen Punkten "nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entspricht", werde das Gesamtprojekt einer sprachlichen Frühförderung infrage gestellt, betonte der Verband für Angewandte Linguistik, dem laut eigenen Angaben etliche Experten für Spracherwerbs- und Mehrsprachigkeitsforschung und der Sprachdiagnostik angehören. Die in Aussicht gestellten finanziellen Mittel seien viel zu gering. Weiters werde davon ausgegangen, dass innerhalb eines "sehr begrenzten zeitlichen Rahmens 'Sprachkompetenz' erreicht werden kann", was unter den gegebenen Rahmenbedingungen "völlig unrealistisch" sei.

Der RH verwies wiederum darauf, dass er bereits in einem Bericht zu familienbezogenen Leistungen empfohlen habe, "sachlich nicht begründbare Aufteilungen der Vollzugskompetenzen zu beseitigen und die Vollziehung so weit wie möglich zu bündeln" - mit dem vorliegenden Entwurf werde dieser Empfehlung nicht entsprochen. Mit dem Innenministerium sei nunmehr ein achtes Ressort für den Vollzug familienbezogener Leistungen zuständig. Nicht zufrieden ist der RH auch mit den Erläuterungen zu den finanziellen Auswirkungen.