Erstellt am 27. Juni 2012, 20:49

Strache protestiert gegen ESM. FPÖ-Chef Strache hat am Mittwochabend bei einer Protestkundgebung mit dem Titel "Volksabstimmung über ESM-Wahnsinn" am Ballhausplatz in Wien erneut gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) gewettert.

Dieser soll - mit dem österreichischen Beitrag von 2,23 Mrd. Euro in Cash und 17,3 Mrd. Euro an Garantien - am 1. Juli starten, dürfte sich aber etwas verzögern. Der Politiker forderte darüber eine verbindliche Volksabstimmung - genauso wie über die geplante Fiskalunion. "Der ESM ist nur eine Überschrift, die mit Stabilität nichts zu tun hat", rief Strache den laut Polizei rund 300 anwesenden Sympathisanten zu.

"Was kommt da für eine Finanzdiktatur? Im Vergleich zum ESM ist die Federal Reserve Bank ein Lercherl-Schaß", so Strache. Exekutive und Legislative würden völlig ausgeklammert, der ESM unterliege nicht der Gewaltenteilung. Der Gouverneursrat des ESM könne die Höhe des Geldtopfes eigenhändig erhöhen.

"Österreich muss jedes Mal mit 2,85 Prozent mitziehen. Eine Volksabstimmung wird aber verhindert", so Strache in Richtung Bundesregierung, wofür das Publikum "Wir sind das Volk"-Sprechchöre spendete.

Länder wie Österreich, Deutschland, die Niederlande sollten per ESM Schulden der anderen Länder abarbeiten. "Bezahlen sollten aber die Bank-Spekulanten und Oligarchen, die die Misere verantworten", so Strache, der auch "Gesetze" forderte, "um Großbanken zum Schrumpfen zu bringen". Dann sollten Banken auch in Insolvenz geschickt werden können. Weiters zitierte Strache zahlreiche Experten, die dem ESM kritisch gegenüberstünden.

Die Veranstaltung der FP-Wien erinnerte massiv an Wahlkampfzeiten: Infostände, Luftballons, Gratisfeuerzeuge und blauäugige HC-Bären fehlten nicht.

In Sachen ESM bauen SPÖ und ÖVP auf die Zustimmung der Grünen, die für ihre Zustimmung auf eine Finanztransaktionssteuer auf EU-Ebene pochen - eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist notwendig, da der EU-Vertrag zu ändern ist. Den Fiskalpakt, bei dem der Regierungskoalition eine einfache Mehrheit reicht, wollen aber auch die Grünen - nicht nur FPÖ und BZÖ - ablehnen. Abgestimmt wird voraussichtlich über beide Themen beim Parlamentskehraus vor der Sommerpause des Hohen Hauses zwischen 4. und 6. Juli.