Erstellt am 01. Oktober 2012, 15:27

Strache will "Denkzettel" für SP und VP. Im Finish des Gemeinderatswahlkampfes hat am Montag FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache das Burgenland besucht.

Die Freiheitlichen kandidieren in 80 Gemeinden und peilen beim Urnengang am Sonntag 100 Mandate als Ziel an. Strache rief bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt die Bürger dazu auf, am 7. Oktober "SPÖ und ÖVP einen Denkzettel zu verpassen". Der FPÖ-Obmann sprach sich außerdem für befristete Grenzkontrollen aus und kritisierte erneut heftig den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Das Burgenland sei für die Freiheitlichen "eine Herzensangelegenheit". Beim Urnengang gehe es "um weit mehr als nur die Wahl von Bürgermeistern und Gemeinderäten", meinte Strache. Bei Themen wie Euro-Politik, Sicherheit oder Arbeitsmarkt würden viele Burgenländer spüren, "dass der derzeit beschrittene Weg ein falscher ist."

Ihm sei bewusst, dass es viele Burgenländer gebe, die durchaus auch mit der Arbeit ihrer Gemeindevertreter - und "hier und da" auch mit der SPÖ und der ÖVP zufrieden seien. "Aber man muss immer eines auch gegenüberstellen: Jeder weitere Erfolg von SPÖ und ÖVP, egal auf welcher Ebene, würde nur diese beiden Parteien auf Bundesebene bestärken", sagte Strache.

Der ESM sei "ein Vertrag der Entrechtung, der Enteignung - ein europäischer Sado-Maso-Vertrag, wo die Rollen klar verteilt sind: Nämlich die Sadisten sitzen in Brüssel und wir sollen die Rolle des Masochisten übernehmen. Und ich sage: Da spielen wir Freiheitlichen nicht mit ", erklärte der FP-Chef, der auch die Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Burgenland verlangte: "Und zwar nicht dauerhaft, aber immer wieder ohne Vorankündigung sollen die Grenzen kontrolliert werden."

Landeshauptmann Hans Niessl (S) bot Strache an, mit der FPÖ beim Thema Sicherheit die burgenländischen Interessen zu unterstützen: "Niessl hat ausreichend bewiesen, dass er zu schwach ist als Landeshauptmann die burgenländischen Interessen in Wien im Parlament auch durchzusetzen. Wenn er also jetzt auf unsere Stärke und Hilfe zurückgreifen möchte - gerne", sagte Strache.

Die FPÖ werde "auch hier im Burgenland mit unserem blauen Schnellzug nicht zu stoppen sein", stellte der FPÖ-Politiker fest. Das Ziel für 2012 sei klar definiert: Man wolle in Richtung der 100 Gemeinderatsmandate gehen. Das bekräftigte auch Landesobmann Johann Tschürtz. 2007 traten für die Freiheitlichen 389 Kandidaten an, heuer seien es 563, erläuterte Tschürtz. Ziel sei es, bis zur nächsten Landtagswahl in 80 Gemeinden ein Team zu haben. Derzeit sei man in weniger als 50 Prozent der 171 Kommunen organisiert. Die FPÖ sei in allen sieben Bezirkshauptstädten vertreten, in vier davon gebe es ein neues Team.

SP weist Straches "Denkzettel"-Aufruf zurück

Den Aufruf von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, bei der burgenländischen Gemeinderatswahl am Sonntag SPÖ und ÖVP einen Denkzettel zu verpassen, haben am Montag die Sozialdemokraten heftig kritisiert: "Strache sollte sich lieber um seine skandalgeschüttelten Parteifreunde in Kärnten kümmern. Das Burgenland ist bei Landeshauptmann Hans Niessl und der SPÖ ohnehin in sehr guten Händen", erklärte SP-Landesgeschäftsführer Robert Hergovich in einer Aussendung.

"Die FPÖ hatte bis 2006 ihre Chance, die Sicherheit im Burgenland zu verbessern. Stattdessen wurden serienweise Polizeiposten in burgenländischen Grenzgemeinden geschlossen. Da will sich der Bock zum Gärtner machen", meinte Hergovich. Landeshauptmann Niessl habe sich dagegen immer für mehr Sicherheit im Burgenland eingesetzt und Erfolge vorzuweisen. Beispielsweise würden erstmals seit Jahren wieder Polizisten im Burgenland für das Burgenland ausgebildet. Bei der Wahl am Sonntag gehe es "nicht um politische Denkzettel, sondern um konstruktive Politik für die Burgenländer".