Erstellt am 11. Mai 2011, 07:18

Streit um AMS-Chefin. „EINLADUNG AN UNGARN“ / Helene Sengstbratl erteilt eine „symbolische Arbeitsgenehmigung“. SPÖ spricht von einem Skandal.

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VON WOLFGANG MILLENDORFER

Nach der Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai sorgt Burgenlands AMS-Geschäftsführerin Helene Sengstbratl (Bild unten) für Diskussionen: Im Zuge einer Aktion der grenzüberschreitenden Partnerschaft „Eures-T Pannonia“ überreichte die Chefin des Arbeitsmarktservice eine „symbolische Arbeitsgenehmigung“ an ihre ungarischen Kollegen – mit der Aufschrift: „Freier Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Arbeitsgenehmigung für alle Ungarinnen und Ungarn.“

Was formal stimmt, empört nun die SPÖ und den ÖGB. SPÖ-Landesgeschäftsführer Robert Hergovich spricht von einem Skandal: „Im Burgenland waren im April rund 8000 Menschen arbeitslos. Und Sengstbratl, die diese Menschen eigentlich vermitteln sollte, spricht stattdessen eine Einladung an ungarische Arbeitskräfte aus, ins Land zu kommen.“ Scharf reagierte auch der ÖGB, der Sengstbratl eine „Fehlbesetzung“ nannte.

Sengstbratl: „Man will mich  nur in Misskredit bringen“

Nicht verwundert über die Kritik zeigt sich Helene Sengstbratl im Gespräch mit der BVZ – denn: „Zum einen war abzusehen, dass die SPÖ an ihrem Verhinderungskurs festhält. Zum anderen wird im Herbst die Stelle der AMS-Geschäftsführung neu ausgeschrieben – und das ist aus meiner Sicht der erste Versuch, mich in Misskredit zu bringen.“

Was die Teilnahme an der politisch plötzlich umstrittenen Info-Veranstaltung betrifft, verteidigt Sengstbratl ihre Position: „Die Öffnung des Arbeitsmarktes ist EU-Gesetz und seit 1. Mai Realität. Ich möchte mit den neuen Gegebenheiten pragmatisch umgehen.“ Die AMS-Chefin rechnet vor: 98 Prozent ihrer Tätigkeit seien dem Lobbying für die burgenländischen Arbeitslosen gewidmet, sie sei in Arbeitsmarktfragen aber auch „punktuell diplomatisch“ tätig.

SPÖ-Soziallandesrat Peter Rezar kontert: „Sengstbratl sollte sich die Frage stellen, ob sie noch auf dem richtigen Arbeitsplatz sitzt. Sie muss sich zu 100 Prozent für die burgenländischen Arbeitnehmer einsetzen – und nicht nur zu 98 Prozent.“ Angesichts der Arbeitsmarktöffnung warnt die SPÖ vor Lohndumping und fordert strenge Kon-trollen – auch für Sengstbratl „eine Selbstverständlichkeit“.