Erstellt am 20. März 2014, 11:26

Streit um geschlechtergerechte Sprache. Das "Komitee zur Regelung des Schriftverkehrs" hat seinen politisch umstrittenen Entwurf für eine Norm zu geschlechtergerechter Sprache verteidigt.

"Die Sprache dient der klaglosen Verständigung und nicht der Durchsetzung zweifelhafter politischer Ziele", sagte dessen Chefin Walburg Ernst in der "Wiener Zeitung". Gleichbehandlung müsse auf faktischer Ebene stattfinden.

"Großbuchstaben gibt es nur am Wortanfang oder bei durchgehender Schreibweise in Blockbuchstaben, das weiß schon jedes Volksschulkind", verteidigt Ernst den Entwurf, der etwa wegen des Rates, das sogenannte Binnen-I wegzulassen, in die politische Schusslinie gekommen war. Die Trainerin und Fachbuchautorin stellt sich außerdem die Frage: "Welcher Frau hat das Binnen-I zu einem besseren Job oder zu mehr Bezahlung verholfen?" Sprachliche Gleichberechtigung und faktische Gleichberechtigung seien "verschiedene Paar Schuhe".

Stein des Anstoßes: "Jeder Text muss unmittelbar laut (vor-)lesbar sein"

Gedacht ist die "ÖNORM A 1080", etwa für den geschäftlichen Schriftverkehr und soll in Handelsschulen und Handelsakademien als Leitfaden dienen. So werden darin Empfehlungen für den formellen Briefverkehr, aber auch solche für amtliche Dokumente ausgesprochen. Verbindlich sei eine solche Norm allerdings ohnehin nicht, betont man bei Austrian Standards.

Der Stein des Anstoßes findet sich in Kapitel 7, jenem zur inhaltlichen Textgestaltung. "Jeder Text muss unmittelbar laut (vor-)lesbar sein", heißt es bereits zu Beginn. Von Doppelschreibweisen wie "der/die Lehrer/in" wird also abgeraten. Und erstmals finden sich in der Norm, die es bereits seit 1981 gibt, Regeln zum "geschlechtersensiblen Umgang mit Sprache": "Die Sprache geschlechtersensibel einzusetzen heißt, beiden Geschlechtern sprachlich mit dem gleichen Respekt und der gleichen Wertschätzung zu begegnen."

Was folgt, ist aber etwa für Studentenvertreter oder andere Vereine nicht geschlechtergerecht. So wird geraten, statt des nicht lesbaren Binnen-I besser "beide Geschlechter getrennt und vollständig anzuführen", dabei die weibliche zuerst. Zudem solle es möglich sein, durch Generalklauseln zu regeln, dass etwa die männliche Form im gesamten Dokument für beide Formen gilt.

Höhergestelltes "a" wie bei "Magistra" nicht notwendig

Auch auf akademische Titel wird im Vorschlag des Komitees eingegangen. So wird zwar die Möglichkeit eingeräumt, dabei auch weibliche Formen zu verwenden. Abkürzungen seien jedoch immer geschlechtsneutral und würden für beide Versionen gelten.

Ein höhergestelltes "a" wie bei "Magistra" sei daher offensichtlich nicht notwendig.

Hochschülerinnenschaft und SPÖ- Gleichbehandlungssprecherin empört

Empört zeigte sich darüber etwa die Österreichische HoschschülerInnenschaft: "Wir sind darüber enttäuscht, dass im 21. Jahrhundert versucht wird, in einer Norm auf weibliche Bezeichnungen zu verzichten", hieß es in einer Aussendung.

Auch die SPÖ-Frauen-und Gleichbehandlungssprecherin Gisela Wurm zeigte sich verärgert über den angeblichen Verzicht auf weibliche Formen: "Wer Frauen nicht nennt, ignoriert sie. Sprache muss ganz einfach gesellschaftliche Realitäten abbilden beziehungsweise eine gesellschaftspolitische Wertehaltung."

Austrian Standards: "Sind uns der Breitenwirkung geschlechtergerechter Sprache bewusst"

"Austrian Standards ist sich selbstverständlich bewusst, dass das Thema einer geschlechtergerechten Sprache große Breitenwirkung hat und dass es dazu sehr unterschiedliche Standpunkte gibt", reagierte indes das Institut und betonte, nicht direkt für die Empfehlungen verantwortlich zu sein. Vielmehr würden dieser in der Hand eines eigenen Komitees liegen, selbst diene man nur als Plattform.

Zudem sei der Entwurf noch in Diskussion, hieß es bei Austrian Standards. Das Stellungnahmeverfahren laufe bis 31. März. Sämtliche Verfasser einer Stellungnahme seien noch zu einer Sitzung eingeladen, für einen Beschluss benötige es Einstimmigkeit.