Erstellt am 11. März 2015, 06:25

von Wolfgang Millendorfer

Streitkultur: „Es darf auch laut sein“. Nach Polit-Schreiduellen fragte die BVZ bei Experte Filzmaier nach. Auch Niessls lauten Auftritt sieht er als zielführend.

Politologe Filzmaier: »Laute Auftritte zeigen auch Stärke.« Foto: BVZ  |  NOEN, bE/BVZ
„Der Wahlkampf ist ein Kampf um Aufmerksamkeit, und da kann die Lautstärke bei politischen Diskussionen durchaus geplant sein.“ So beurteilt Politologe Peter Filzmaier im Gespräch mit der BVZ die derzeitige Streitkultur im Landtag.

Niessl gegen Lentsch: „Na, wos is los?!“

Auch die lautstarke Debatte zwischen Landeschef Hans Niessl und der ÖVP um die Schulden der Stadtgemeinde Neusiedl am See hat Filzmaier mit Interesse verfolgt.

Wie berichtet, sorgte ein Zwischenruf von Neusiedl-Ortschef Kurt Lentsch bei Landeshauptmann Hans Niessl für Emotionen. „Na, wos is los?!“, brüllte Niessl, nachdem er Lentsch aufgefordert hatte, „den Mund zu halten“. Der Auftritt sorgte für Diskussionen; die ÖVP sprach von „Wirtshausniveau“.

„Ganz normales Wahlkampfgetöse“

Während die Konsequenz für derartige Schreiduelle laut Landtagsdirektion maximal ein Ordnungsruf sein kann, sind diese für Filzmaier aus politischer Sicht nicht problematisch: „Da der Wahlkampf der SPÖ im Burgenland auf den Landeshauptmann zugeschnitten ist, hatte dieser Auftritt – mit Blick auf das Zielpublikum – sicher auch Vorteile. Für die eigenen Wähler zeigte das einen starken Landeshauptmann. Wie ein überzeugter Grün- oder ÖVP-Wähler das sieht, ist in diesem Fall egal.“

Ähnliches sieht Peter Filzmaier auch in anderen Bundesländern: „Es ist zwar nicht die Politik, die man sich wünscht, aber ganz normales Wahlkampfgetöse – und es ist keine burgenländische Erfindung, sondern vom Neusiedler See bis zum Bodensee gleich. Das unterscheidet sich nur im Dialekt.“

Die BVZ hatte berichtet: