Erstellt am 22. Oktober 2012, 13:40

Stronachs Milliardärsklub - ziemlich orange. Jetzt hat Milliardär Frank Stronach genug Abgeordnete beisammen, um von einem Klub im Nationalrat und damit mehr Geld und TV-Konfrontationen vor der Nationalratswahl träumen zu können.

Seine sechs Mandatare kommen zum überwiegenden Teil aus dem BZÖ, wobei die meisten von ihnen schon einmal bei der FPÖ an Bord waren. Quasi Außenseiter ist Gerhard Köfer, der bis vor kurzem Sozialdemokrat war.

Köfer (51) ist bereits seit 1997 Bürgermeister von Spittal/Drau, im Nationalrat sitzt er zumeist unauffällig seit 2006, davor gehörte er dem Kärntner Landtag an. Dort könnte er jetzt wieder einziehen, sollte Stronach wie erwartet mit ihm als Spitzenkandidaten in die Landtagswahl ziehen. Überregionale Aufmerksamkeit erhielt Köfer nach seiner Entdeckung, über Heilkräfte zu verfügen. Als Energetiker soll er sich auch der Pferde Stronachs angenommen haben. In der SPÖ eckte er bereits früher mit einem als sexistisch kritisierten Web-Auftritt seiner Gemeinde an.

Robert Lugar (42) ist der designierte Chef des "Klub Stronach". Der gelernte Elektroinstallateur ist neben seiner Abgeordneten-Tätigkeit Inhaber der AquaNorm Wasseraufbereitung. In die Politik kam der gebürtige Tiroler über die niederösterreichische FPÖ. Als Jörg Haider das BZÖ gründete, ging der vormalige Vize-Obmann des Rings freiheitlicher Wirtschaftstreibender Niederösterreichs mit. 2008 zog er für das BZÖ in den Nationalrat ein, mutierte aber 2011 zum "wilden Abgeordneten", angeblich, weil er Christian Ebner nicht als Generalsekretär folgen durfte.

Erich Tadler (54) ist Versicherungskaufmann. Der gebürtige Steirer verdiente sich seine Sporen in der Salzburger FPÖ, wo er es bis zum Gemeinderat brachte. Ebenso wie Lugar folgte auch er Haider bei der Abspaltung des BZÖ, bei dem er aber kein Mitglied war. Im Jänner 2010 wurde Tadler, seit 2008 im Nationalrat, aus der Fraktion geschmissen, nachdem er angeblich finanzielle Wünsche für seinen Verbleib geäußert hatte, was Tadler bestritt. Laut FPÖ wollte er danach (erfolglos) wieder bei den Freiheitlichen andocken. Für Aufsehen sorgte Tadler während der Fußball-EM in Polen, da er in Warschau einen steinernen Löwen mit den deutschen Nationalfarben beschmiert haben soll. Auch hier dementierte Tadler - im Gegenteil habe er die Statue säubern wollen.

Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (42) entstammt wie Lugar der FPÖ Niederösterreich. Ihre ersten politischen Sporen hatte sie sich in den 90er-Jahren bei den freiheitlichen Wirtschaftstreibenden verdient, beruflich war sie im Verkauf und Marketing tätig - dies unter anderem in der umstrittenen früher BZÖ-eigenen Orange Werbeagentur GmbH. Dem Nationalrat gehört die zweifache Mutter seit Dezember vorigen Jahres an, als Ewald Stadler ins Europaparlament wechselte. Der meinte zuletzt, man sei sich ihrer "Charakterschwächen" immer bewusst gewesen.

Christoph Hagen (43) war mehr als ein Jahrzehnt Gendarm. Nebenbei startete der gelernte Bürokaufmann in den 90er-Jahren im Gemeinderat von Hörbranz seine politische Tätigkeit. Von 1999 bis 2004 saß der Vorarlberger für die FPÖ im Bundesrat. Auch er wechselte mit Haider ins BZÖ und schaffte auf dessen Liste 2008 ein Mandat im Nationalrat. Bis zu seinem Wechsel ins "Team Stronach" war der zweifache Vater Obmann des Vorarlberger BZÖ.

Stefan Markowitz (35) ist eigentlich technischer Betriebsleiter und Abgeordneter, bekannter wurde der gebürtige Klagenfurter jedoch als Veranstalter der "Glamour in White"-Party am Wörthersee. Er begann politisch bei der Jungen ÖVP, stieß dann vor der letzten Nationalratswahl aber zum BZÖ und ergatterte gleich ein Mandat. Der ersten Versuchung, nämlich der Heimkehr der Kärntner BZÖler in die FPÖ, widerstand Markowitz noch, seit Montag ist er der Mann, der Stronach seinen Parlamentsklub bringen könnte.