Erstellt am 09. Januar 2013, 13:35

"Strukturelle Diskriminierung" bei Sprachförderung. In Wien müssen seit 2008 Schüler, die zu Beginn ihrer Schullaufbahn nicht ausreichend Deutsch können, um dem Unterricht zu folgen, die Vorschule besuchen. Integrationsstaatssekretär Kurz will das Modell künftig in ganz Österreich anwenden.

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Das "Netzwerk SprachenRechte" verurteilt das Wiener Modell, da es "einer strukturellen Diskriminierung gleichkommt und dem Schulunterrichtsgesetz widerspricht".

Wenn Kinder wegen mangelnder Deutschkenntnisse in die Vorschule eingestuft würden, obwohl deren motorische, kognitive und soziale Kompetenzen für die Schulreife ausreichen würden, "werden dabei die sprachlichen Kompetenzen zwei- und mehrsprachiger Kinder völlig missachtet". Laut Wiens Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl ist Sprache allerdings ohnehin nicht das alleinige Kriterium für Schulreife.

Das Netzwerk "SprachenRechte", ein Zusammenschluss von Experten aus Wissenschaft und Praxis aus dem Bereich Integration und Spracherwerb, kritisiert außerdem, dass die Sprachstandsfeststellungen nicht den wissenschaftlichen Mindestanforderungen entsprächen und es auch keine Kindergartenpädagoginnen oder Volksschullehrer mit entsprechender Qualifizierung für Sprachförderung gebe. Die Folge: Kinder mit Sprachproblemen kämen in gesonderte Klassen, "in denen dann aber die sprachliche Förderung durch mangelnde Kompetenzen der PädagogInnen erst recht nicht gewährleistet ist".

Das Netzwerk - dem unter anderem die Sprachwissenschafter Rudolf de Cillia, Hans-Jürgen Krumm und Inci Dirim angehören - fordert deshalb, Kinder mit Sprachproblemen regulär in Volksschulklassen einzuschulen und "die nötigen Ressourcen für eine notwendige und sinnvolle Deutsch- und Familiensprachförderung im Regelklassenverband zur Verfügung zu stellen".

Unterstützung bekommt Brandsteidl indes vom Katholischen Familienverband der Erzdiözese Wien: Vorschulklassen für Schüler mit Sprachproblemen seien eine "sinnvolle Ergänzung zum Gratiskindergartenjahr vor Schuleintritt".