Erstellt am 02. September 2011, 21:34

Telekom setzt externes Untersuchungsteam ein. Die Telekom-Affären werden nun von einem externen Untersuchungsteam mit internationalen Experten untersucht. Dies beschloss der Krisen-Aufsichtsrat der Telekom am Freitag in einer fünfstündigen außerordentlichen Sitzung. Weiters soll ein Experte für Compliance in den Konzern geholt werden. ÖIAG-Chef Aufsichtsratspräsident Markus Beyrer sprach dem Telekom-Vorstand sein volles Vertrauen aus.

Die Telekom-Affären werden nun von einem externen Untersuchungsteam mit internationalen Experten untersucht. Dies beschloss der Krisen-Aufsichtsrat der Telekom am Freitag in einer fünfstündigen außerordentlichen Sitzung. Weiters soll ein Experte für Compliance in den Konzern geholt werden. ÖIAG-Chef Aufsichtsratspräsident Markus Beyrer sprach dem Telekom-Vorstand sein volles Vertrauen aus.

Namen wurden vom ÖIAG-Chef heute keine genannt. Wer also die Telekom - neben der ermittelnden Justiz und der internen Revision - durchleuchten wird, bleibt offen. Lediglich das Prozedere wurde bekannt: Der Aufsichtsrat richtet einen Kontrollausschuss ein, der von Beyrer selbst, dem früheren Siemens Österreich-Vorstand Franz Geiger sowie einem Arbeitnehmervertreter gebildet wird. Dieser Kontrollausschuss nominiert ein "unabhängiges, externes und mit internationalen Fachleuten verstärktes Untersuchungsteam".

Diese Task Force solle dann auf den bisherigen Ermittlungen aufbauen und dem Kontrollausschuss direkt berichten. Untersucht werden dabei unter anderem auch "Akquisitionen und Immobiliengeschäfte". Welche Zukäufe untersucht werden geht aus der Unternehmensaussendung nicht hervor. Vorstandschef Hannes Ametsreiter hatte vor Tagen jedoch schon gesagt, dass die Erwerbe in Bulgarien (Mobiltel) und in Weißrussland (Velcom) unter die Lupe genommen werden sollen.

Das Untersuchungsteam soll sich auch mit dem jetzigen Zustand des Telekom-Konzerns beschäftigen: So werde das Compliance-System der TA analysiert und "bei Bedarf" Vorschläge zur Verbesserung gemacht. Weiters wurde dem Vorstand nahegelegt, einen externen Experten als "Verantwortlichen für Konzern-Compliance" zu holen.

Ein Rechtsanwalt soll die Umsetzung der Schadenersatzforderungen gegen "Schädiger" in die Hand nehmen. Weiters werden Treuhandkonten eingerichtet, auf die Rückzahlungen geleistet werden können. Ein abschließender Bericht aller Maßnahmen soll spätestens bis zur Hauptversammlung 2012 vorliegen.

Auf die einzelnen konkreten Vorwürfe und Ermittlungen ging weder Beyrer in seiner kurzen Erklärung vor Journalisten im Anschluss an den Aufsichtsrat ein. Derzeit ist die Telekom tief in mehrere Skandale verstrickt: Ex-Vorstände wie Gernot Schieszler und Rudolf Fischer haben die Beteiligung an Kursmanipulation für Aktienboni bereits der Justiz gestanden.

Ein Revisionsbericht hat Zahlungen an den Berater Peter Hochegger in Höhe von neun Mio. Euro ohne dokumentierte Gegenleistung aufgezeigt, es besteht Korruptionsverdacht. Mehrere Zahlungen von Hochegger an Ex-Politiker, wie an Ex-Verkehrsminister Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ) und Mathias Reichhold (FPÖ) sowie an den Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger, Freund des früheren Finanzministers Karl-Heinz Grasser (V), werden untersucht. Bei der Polizeifunk-Vergabe steht eine 1,1 Mio. Euro schwere Zahlung an den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly unter Korruptionsverdacht. Die Genannten dementieren die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.