Erstellt am 20. Mai 2015, 10:16

Tenor der Parteien: „Geht bitte wählen!“. In der HTL Eisenstadt hatten Schüler Gelegenheit, den Kandidaten auf den Zahn zu fühlen.

Diskutanten. Die Bezirkskandidaten Wolfgang Rauter (LBL), Geza Molnár (FPÖ), Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl (ÖVP), Landtagspräsident Gerhard Steier (SPÖ) und Anja Haider-Wallner (Grüne) stellten sich den Fragen des Moderators, BVZ-Eisenstadt-Leiter Werner Müllner, und der Schüler. Foto: Nina Sorger  |  NOEN, Nina Sorger
Erstmals wurden heuer auf Wunsch der Landesschülervertretung vom Landesschulrat im Vorfeld der Landtagswahl Schuldiskussionen mit den Spitzenkandidaten der einzelnen Parteien organisiert.

Eine solche fand unter anderem in der HTL Eisenstadt statt, wo die Kandidaten ihre Wahlschwerpunkte präsentierten, vor allem aber auch den Schülern Rede und Antwort stehen mussten.

Discobus, Jugendtaxi oder ganz andere Verkehrsmodelle:

Im Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen der Schüler zum Thema Mobilität. Wolfgang Rauter von der Liste Burgenland (LBL) erklärte dazu, dass er sich ein Modell wünsche, bei dem man quasi über den PC eingibt, wohin man möchte und einen Plan bekommt, wie man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, kombiniert mit Taxi, von A nach B kommt. Er meint, Anbieter für ein solches System könnten die ÖBB sein.

Anja Haider-Wallner (Grüne) wünscht sich, dass im Burgenland ein 365-Euro-Ticket eingeführt wird: „Es würden dadurch wesentlich mehr Jahrestickets gekauft und weniger Autos angemeldet werden.“ Géza Molnár (FPÖ) spielte auf die jahrelangen Versprechen an, mit dem Zug in 40 Minuten von Eisenstadt nach Wien zu kommen: „Versprochen wird das seit gefühlten 100 Jahren, passiert ist nichts.“

Molnár sprach auch die parallel laufenden Modelle von Discobus und Jugendtaxi an: „Besser wäre es, hier an einem Strang zu ziehen, anstatt sich verbal die Schädel einzuhauen.“

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Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl (ÖVP) betonte, dass er ein Modell haben möchte, bei dem man um einen Euro alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann. Und erklärte: „Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ordentlich ausgebaut. Ich bin zum Beispiel mit der Bahn schneller von Purbach in Eisenstadt als mit dem Auto.“ Er räumte aber ein, dass es durch die Wartezeiten und Ähnliches zu Erschwernissen kommt.

Landtagspräsident Gerhard Steier (SPÖ) meinte dazu, dass es ganz einfach auf einen gesunden Mix aller Varianten ankomme, und betonte: „Man darf nicht vergessen, dass das Burgenland durch die 400 Kilometer lange Grenze beim Ausbau der ÖBB über Jahrzehnte benachteiligt wurde.“

Steier erklärte dazu, dass es auf ungarischer Seite parallel zur Landesgrenze ein stillgelegtes Gleis aus der Habsburgerzeit gibt. Durch den Beitritt der Ungarn zur EU ergeben sich daraus eventuell neue Möglichkeiten.

Warum brauchen wir eine Zentralmatura, die alle gleichmacht?

Was die Schüler brennend interessierte, war das Thema Zentralmatura (Anm.: Die Diskussion fand vor den schriftlichen Maturaprüfungen statt.). Franz Steindl (ÖVP) erklärte dazu, dass er die Zentralmatura für ein gutes Instrument halte und dazu stehe: „Es war jedoch stümperhaft, wie die Vorbereitung dazu umgesetzt wurde.“

Rauter äußerte hingegen die Meinung, dass die Matura viel koste und nichts bringe, und sprach sich für eine Abschaffung der Matura aus: „Wenn jemand in der 8. Klasse durchwegs positiv abschließt, warum muss er dann auch noch eine Matura machen?“

Molnár (FPÖ): „Vor der Zentralmatura gab es seit Monaten Pannen und viele offene Fragen für die Schüler, das ist eine Zumutung.“ Grundsätzlich hält er die Zentralmatura für nicht schlecht und auch nicht, dass man versucht, einheitliche Messdaten zu finden, die ein gewisses Lernniveau nachweisen.

Aber: „Der Ansatz, die Matura abzuschaffen, hat was für sich: Wenn jemand fünf Jahre durch eine Oberstufe geht und alles positiv abschließt, warum soll er dann auch noch eine Matura machen?“

„Es gibt keine Kategorie von Leistung, die nicht gemessen wird.
Wenn wir international unterwegs sein wollen, dann ist die
Matura auch ein Maßstab.“
Gerhard Steier (SPÖ)

Laut Haider-Wallner (Grüne) gebe es Bedarf zur Nachbesserung, wobei Lehrer und Schüler mit einbezogen werden sollen: „Ich sehe aber, dass es wichtig ist, dass Vergleichbarkeit gegeben ist“.

Steier zur Zentralmatura: „Ich stehe dazu, auch wenn Fehler passiert sind. Wir gehen immer im Leben vom Leistungsgedanken aus, und es gibt keine Kategorie von Leistung, die nicht gemessen wird. Wenn wir international, europäisch unterwegs sein wollen, also auch in diesem Fall mit gleich zertifizierten Zeugnissen, dann ist die Matura auch ein Maßstab.“

So sehr die Standpunkte auseinandergingen, einen Appell richteten alle fünf Kandidaten an die Schüler: „Nutzt euer Wahlrecht und geht wählen!“

„Die Podiumsdiskussionen waren ein voller Erfolg“, heißt es von der Landesschülervertretung, die regelmäßige Diskussionen fordert, „um über unser Wahlsystem und die Parteien aufzuklären.“