Erstellt am 26. Februar 2014, 06:53

Testergebnisse von 400.000 Schülern im Internet. Das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) ist mit einem riesigen Datenleck konfrontiert.

Auf einem Webserver in Rumänien sollen vertrauliche Daten aus der Informellen Kompetenzmessung (IKM) aufgetaucht sein. Das Tool kann freiwillig in der 3. Klasse Volksschule bzw. 2. und 3. Klasse Hauptschule/NMS/AHS genutzt werden, um Schüler auf die Bildungsstandardtests vorzubereiten.

Nur Schülernamen verschlüsselt

400.000 Testergebnisse aus 2011 und 2012 sind ungeschützt und unverschlüsselt öffentlich für jeden Internetnutzer zugänglich. Außerdem seien dort auch die persönlichen E-Mail-Adressen von 37.000 Lehrern gespeichert. Auf Basis dieser 1,8 Gigabyte umfassenden Daten lassen sich dem Bericht zufolge genau das Abschneiden der Schüler eines bestimmten Lehrers oder der Schule feststellen und Ranglisten der besten bzw. schlechtesten Schulen bzw. Lehrer ermitteln. Nur die Namen der Schüler seien verschlüsselt.

Bei der IKM, die der Selbstevaluierung und Vorbereitung auf die Bildungsstandarderhebungen dient, können Schulen unverbindlich das Niveau ihrer Schüler in den Deutsch und Mathematik bzw. an Hauptschule/Neuer Mittelschule/AHS zusätzlich Englisch testen. Laut "Presse" hat sich österreichweit fast jede zweite Schule für die IKM registriert, in Wien ist die Nutzung des Tests verpflichtend.

Laut Bericht wurden das Bifie und das Unterrichtsministerium bereits im Dezember von der Firma Zeo Solutions GmbH darauf hingewiesen, dass ungesicherte Daten der IKM im Netz aufgetaucht seien. Im Bifie hielt man die Information allerdings nur für "die Drohgebärde eines in Unfrieden geschiedenen Vertragspartners", wird Bifie-Direktor Martin Netzer zitiert. Nun wolle man das Leck so schnell wie möglich finden.

Heinisch-Hosek: Rasche und restlose Aufklärung

Im Unterrichtsministerium gab es auf Anfrage vorerst keine ausführliche Stellungnahme. Ressortchefin Heinisch-Hosek sei an einer möglichst raschen und restlosen Aufklärung interessiert. Derzeit sitze sie mit den beiden Bifie-Direktoren zusammen und lasse sich informieren, so ihre Sprecherin.

Das Bifie will forderte jedenfalls "lückenlose Aufklärung". Dies wurde am Dienstagabend in einer Aussendung betont. Man habe "bei Bekanntwerden der Vorwürfe umgehend Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet". Man habe somit "sofort gehandelt", wurden die Direktoren Christian Wiesner und Martin Netzer zitiert.

Die Grünen reagierten am Abend ebenso. Auch deren Bildungssprecher Walser will "lückenlose und schonungslose Aufklärung". Er befürchtet einen Vertrauensverlust bei Schülern, Eltern und Lehrern.