Erstellt am 04. Juni 2015, 21:33

von Wolfgang Millendorfer

Thomas Steiner ist neuer ÖVP-Chef. Der Abschied aus der Regierung geht in der Volkspartei mit einem Führungswechsel einher. Langzeit-Obmann Franz Steindl übergibt an Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner.

Thomas Steiner, ÖVP Landesparteiobmann  |  NOEN, HERBERT PFARRHOFER (APA)
Der Verlust von 5,5  Prozent der Stimmen hatte schon kurz nach der Landtagswahl für Diskussionen und einen „Putschversuch“ in der Partei gesorgt. Das zwar noch nicht ganz fixe, aber wahrscheinliche Ende einer VP-Regierungsbeteiligung im Burgenland kostet dem ÖVP-Chef Franz Steindl nun aber endgültig den Kopf.

Der bereits als heißer Kandidat gehandelte Bürgermeister Thomas Steiner übernimmt die Rolle des geschäftsführenden Landesparteiobmannes. Das beschloss der ÖVP-Landesparteivorstand einstimmig am Donnerstagabend.


In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte Steiner: „Wir sind eine gut aufgestellte Partei, aber die neue Rolle macht Änderungen in der Organisation notwendig.“ Und dabei, so Steiner, gehe es um alle Positionen – egal ob Landesgeschäftsführer oder Abgeordneter.

„Der rotgoldene Weg ist Geschichte“

Thomas Steiner selbst bleibt Bürgermeister von Eisenstadt. Er wird nicht ÖVP-Klubobmann, sitzt aber im Landtag. Mit welchem Mandat, das lässt er jedoch offen. Ob Franz Steindl den Landtag verlassen wird, ist weiter unklar. Die Zeichen deuten aber darauf hin: Damit Steiner über den Regionalwahlkreis in den Landtag einziehen könnte, müssten entweder Steindl oder Christoph Wolf von ihrem Mandat zurücktreten.
 
Mit den Worten „Der rotgoldene Weg ist Geschichte“ kündigte Steiner zugleich an, dass die ÖP die Oppositionsrolle annehmen und „sehr aktiv ausfüllen“ werde. Er werde nun rasch „in personellen und organisatorischen Fragen die richtigen Weichenstellungen“ setzen. „Wir werden mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit agieren“, so Steiner.
x  |  NOEN, HERBERT PFARRHOFER (APA)

Zur Person:

Steiner kam am 21. Jänner 1967 in Eisenstadt zur Welt. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Aufgewachsen in Loretto (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), lebt der ÖVP-Politiker seit 1991 in der burgenländischen Landeshauptstadt.

Nach der Matura studierte Steiner Rechtswissenschaften und kam als Klubsekretär in den ÖVP-Landtagsklub. 1996 wechselte er ins Büro des damaligen Landeshauptmannstellvertreters Gerhard Jellasitz (ÖVP), für den er ab 1998 auch als Pressesprecher tätig war.

Jellasitz' Nachfolger Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl übertrug ihm 2001 die Funktion des Büroleiters. Im November 2008 wurde Steiner zum ÖVP-Stadtparteiobmann in Eisenstadt gewählt und trat die Nachfolge von Peter Nemeth an. Nach der Landtagswahl 2010 zog er für die Volkspartei in den Landtag ein.

Am 30. November 2011 übernahm Steiner von Andrea Fraunschiel das Amt des Bürgermeister der Freistadt Eisenstadt, das er auch weiter ausüben will, wie er nach seiner Bestellung zum geschäftsführenden ÖVP-Landesparteiobmann deutlich machte.
x  |  NOEN, HELMUT FOHRINGER (APA)

Rot-blauer Eilzug drängte Steindl aus dem Amt

Den Stimmen- und Mandatsverlust der ÖVP bei der Landtagswahl hätte er womöglich noch verkraften können. Doch den rot-blauen Koalitions-Eilzug, der die Volkspartei im Burgenland aus der Regierung zu drängen droht, konnte Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl nicht mehr aufhalten. Der 55-jährige Nordburgenländer musste nach vierzehneinhalb Jahren den Parteivorsitz abgeben.

Steindl wurde am 10. Jänner 1960 in Purbach geboren. Nach der Matura in Eisenstadt studierte er an der Universität Wien Volkswirtschaft. Politisch betätigte er sich zunächst in der JVP und beim ÖAAB, wo er von 1986 bis 1991 die Funktion des Landessekretärs ausübte. Ein Jahr später wechselte er in die ÖVP-Parteizentrale und war bis 1994 als Landesgeschäftsführer tätig. Von 1994 bis 2000 gehörte Steindl dem Nationalrat an. In seiner Heimatgemeinde Purbach war er als Kommunalpolitiker erfolgreich: Er gewann 1992 den Bürgermeistersessel für die ÖVP und wurde damals Burgenlands jüngster Ortschef.

Steindl trat in Fußstapfen von Jellasitz

Im Jahr 2000 verließ er den Nationalrat und wurde Institutsleiter des WIFI Burgenland. Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von Landeshauptmannstellvertreter Gerhard Jellasitz am Abend der Landtagswahl vom 3. Dezember 2000 wurde Steindl bereits am nächsten Tag als Nachfolger präsentiert.

In seiner neuen Rolle sah er sich einer dominierenden SPÖ gegenüber. Das Verhältnis der Regierungsparteien war zunächst vom im Landtag praktizierten "Freien Spiel der Kräfte" bestimmt. 2005 gewann Steindl mit der ÖVP zwar dazu, die SPÖ konnte jedoch noch stärker zulegen und schaffte die Absolute Mehrheit.

Im Wahljahr wieder Misstöne

In den folgenden Jahren waren Konflikte zwischen den Regierungsparteien fast schon an der Tagesordnung. Das Scheitern der Verfassungsreform am Nein der ÖVP zur Proporzabschaffung mündete in vorgezogene Neuwahlen. Fast harmonisch verlief dagegen die vergangene Legislaturperiode, in der SPÖ und ÖVP auch die Reform der Landesverfassung - einschließlich der Beseitigung des Proporzes - zuwege brachten.

Erst im Wahljahr kamen wieder Misstöne auf. Für den Urnengang am Sonntag hatte sich der Landeshauptmannstellvertreter bereits 2014 die Zustimmung der Basis bei einer Urabstimmung geholt.

Steindl ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein inneres Gleichgewicht findet er, wie er sagt, in der Musik. Während seines Volkswirtschaftsstudiums belegte er an der Musikhochschule Wien sechs Semester lang das Fach Konzerttrompete.

Der ÖVP-Politiker spielt seit jungen Jahren in einer Band und musiziert auch mit seinen Brüdern. Auch heute noch übt er fast jeden Tag eine Stunde Trompete und fährt dazu manchmal auch noch spätabends ins Probenlokal. Um fit zu bleiben, geht er auch ab und zu laufen.