Erstellt am 21. April 2011, 14:35

Töchterle für Studiengebühren. Mit seiner Meinung hat der neue Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle als Rektor der Universität Innsbruck in den vergangenen Jahren nie hinter dem Berg gehalten. Im Folgenden ein kleiner Einblick in seine Ansichten:

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"Wenn es mehr Latein an den Schulen gäbe, wäre es um die Bildung unserer Jugend besser bestellt. Latein ist ein Kulturfach ersten Ranges und daher per se wichtig und wertvoll ... Daher wäre mehr und früher beginnendes Latein ein schnell wirkendes Gegenmittel gegen die so oft beklagte Bildungsmisere." (Töchterle in einem Leserbrief in der "Presse" im Jänner 2011)

"Wir brauchen Kapazitätsgrenzen, sonst müssen wir alle Studierwilligen annehmen. Das könnte zu unzumutbaren Zuständen führen." (Töchterle im Jänner 2011 im "Kurier" zum Umstand, dass knapp 14 Prozent der Innsbrucker Studenten aus Deutschland kommen.)

Töchterle wünscht sich im Jänner 2011 im "Standard" für 2011 "ein ehrliches Bekenntnis zur Bildung, Forschung und Innovation als wesentliche Ingredienzien für eine erfolgreiche Zukunft".

"Ich bin kein glühender Befürworter von Zugangsregeln", angesichts eines drohenden Ansturms deutscher Studenten sei es aber "extrem wichtig, dass wir in den Massenfächern Zugangsregeln erhalten" ... "Jeder Studierende ist an der Universität Innsbruck willkommen. Ich will niemanden von einem Studium abhalten. Aber die Massenfächer können nicht noch überfüllter werden. Wir müssen die Möglichkeiten haben, diese zu begrenzen." (Töchterle im Dezember 2010 in der "Tiroler Tageszeitung")

"Die Regierung darf die Zukunft der Jugend nicht aufs Spiel setzen." (Töchterle im Oktober 2010 in der "Kronen Zeitung" anlässlich eines österreichweiten Protesttags der Universitäten)

"Trümmerfeld" - so beschrieb Töchterle im Oktober 2010 den Zustand der österreichischen Unis im "Standard".

"Ich sehe mich erst einmal nicht als Führungsperson, sondern als oberster Ermöglicher von guter Forschung und Lehre." (Töchterle im September 2010 in der "Tiroler Tageszeitung" über sein Amtsverständnis als Rektor)

"Zugangsregelungen drängen sich auf: Auch bei noch so viel Geld sind die Kapazitäten begrenzt. So zu tun, als seien die Kapazitäten unbegrenzt, ist ein Betrug an den jungen Menschen. Genau das werfe ich der Politik vor: Dass sie den jungen Menschen sagt, 'ihr könnt alle studieren'. Doch dann finden sie in bestimmten Fächern unzumutbare Studienbedingungen vor." ... Ich bin ein Befürworter von Studiengebühren. Als es sie gegeben hat, haben meine Kinder studiert; und ich habe es ihnen zugemutet, sie selber zu bezahlen. Das Hauptargument gegen die Gebühren, die soziale Selektion, nehme ich ernst. Daher trete ich auch für ein entsprechendes Stipendiensystem ein. Ein Studium soll nicht daran scheitern, dass es sich jemand nicht leisten kann." ... "400, 500 Euro pro Semester könnten es schon sein." (Töchterle im September 2010 in den "Vorarlberger Nachrichten")

"Ein 'Gymnasium für alle', wie das Wissenschaftsministerin Beatrix Karl vorschlägt, wäre jedenfalls ein Gymnasium für niemanden. Ich bekenne mich schon zu einer Differenzierung, da sich sonst private Eliteschulen bilden, die dann wieder soziale Brüche auftäten. Soziale Chancengleichheit würde man so nicht erreichen." .... "Man kann ohne weiteres eine Gesamtschule machen, aber es muss weiterhin eine Binnendifferenzierung geben, wo der Begabte die Chance hat, seine Begabung auch gefördert zu bekommen. Beim Sport, in der Musik oder in der Kunst geht man ganz selbstverständlich davon aus, dass es Begabtere und Motiviertere gibt. Warum gibt es dann in allen anderen Fälle diese realitätsfremde Gleichmacherei? Ich denke aber auch, dass Unterschiede zwischen Großstädten und dem Land bestehen." (Töchterle im August 2010 in der "Tiroler Tageszeitung" zur Gesamtschule)

Rektoren und ÖH hoffen auf mehr Geld durch Töchterle
Universitätenkonferenz (uniko) und HochschülerInnenschaft (ÖH) hoffen nach der Berufung des bisherigen Rektors der Uni Innsbruck, Karlheinz Töchterle, zum Wissenschaftsminister auf finanzielle Verbesserungen. Am Mittwoch appellierten sie in einer Pressekonferenz an ihn, den Unis die geforderten 300 zusätzlichen Mio. Euro pro Jahr im Bundesfinanzrahmen zuzusichern, die diese ab 2013 allein zur Aufrechterhaltung des Status quo brauchen würden.

Er hoffe, dass es Töchterle "gelingen möge mit (VP-Finanzministerin Maria) Fekter und Überzeugungsarbeit in der Regierung die Gefahr (eines stagnierenden Budgets) abzuwenden", so uniko-Präsident Hans Sünkel. Auch ÖH-Chefin Sigrid Maurer zeigte sich optimistisch, dass Töchterle sich in der Uni-Finanzierung weniger "provinziell" verhalten werde als die bisherige Regierung - auch wenn er selbst aus der Provinz komme.

Aus Sünkels Sicht ist die Forderung der Rektoren durchaus realistisch, immerhin habe sich die wirtschaftliche Situation "unerwartet deutlich verbessert". Ein Teil dieser unerwarteten Einnahmen sei nun "ideal geeignet" um in die "Zukunft unseres Landes" zu investieren. Auch Maurer zeigte sich beharrlich: "Es geht um die Prioritätensetzung und diese Prioritätensetzung ist möglich", immerhin gehe es dabei um das "Pflichtprogramm, nicht die Kür".

Kurzfristig erhofft sich Sünkel von seinem bisherigen uniko-Kollegen Töchterle, dass er zumindest den Status quo der Unis erhalte und mittelfristig die Finanzierung auf internationales Niveau anhebt. Außerdem sollte aus seiner Sicht der Hochschulplan als Strategieplattform und die Studienplatzfinanzierung ganz oben auf der Agenda des neuen Ministers stehen. Die bisherige Ressortchefin Beatrix Karl (V) kritisierte er dafür, dass sie zu viele Themen aufgegriffen habe. Ähnlich Maurers Kritik: "Karl hat in erster Linie eine Ankündigungspolitik betrieben und nichts umgesetzt."

Sollte es Töchterle nicht gelingen, die zusätzlichen Mittel für die Unis aufzustellen, sehen Rektoren wie Studentenvertretung schwarz. "Dann müssen wir abbauen", warnte Maurer. Die Rektoren wollen bereits kommenden Dienstag (26. April) in einer außerordentlichen Plenarversammlung beraten, welche Maßnahmen in diesem Fall gesetzt werden sollen. Schon heute, Mittwoch, ist ein offener Brief an die Bundesregierung und die 300.000 Uni-Angehörigen ergangen, in dem uniko und ÖH vor "einschneidenden Maßnahmen" warnen.

Das gemeinsame Vorgehen von Studenten und Rektoren soll aus Sünkels Sicht "ein gewisses Warnsignal für die Regierung" sein, da hier Gruppen "an einem Strang in die selbe Richtung ziehen", die sonst oft nicht dieselbe Meinung teilen. Sollte es nicht mehr Geld geben, kann Sünkel sich "durchaus vorstellen, dass es gemeinsame Aktionen geben könnte."