Erstellt am 04. Oktober 2011, 10:17

Töchterle kann sich Studenten-Darlehen vorstellen. In der Debatte über Studiengebühren fällt immer öfter das Schlagwort Studiendarlehen. Hochschulforscher Hans Pechar schlug am Montagabend bei einer Diskussion im Wiener Managementclub vor, die Familienbeihilfe nach dem 18. Lebensjahr nicht mehr auszubezahlen, dafür aber ein Darlehenssystem für Studenten zu etablieren. Für Wissenschaftsminister Töchterle ist dieser Vorschlag "diskussionswürdig".

Ein derart "großer Wurf" sei jedoch politisch brisant, so Töchterle. Er will sich deshalb vorerst auf die Neukonzipierung der Studienbeiträge als "kleine Lösung" konzentrieren.

Für Pechar, der in dem Managementclub-Sammelband "Reformen ohne Tabu" Vorschläge für Reformen der heimischen Bildungslandschaft ausgearbeitet hat, sind Studiendarlehen wegen der potenziell höheren Einkommen von Hochschulabsolventen durchaus gerechtfertigt. Er will aber "keine marktradikale Lösung", sondern fordert ein sozialverträgliches, großzügiges Rückzahlungsmodell mit geringer Zinsbelastung.

Für Töchterle ist ein solches Modell der Kreditvergabe an Studierende in seinen Grundzügen "durchaus stimmig". Eine derartige Systemänderung müsse jedoch "sehr breit überlegt" und mit anderen Ressorts diskutiert werden, sie werfe auch tiefgreifende rechtliche Fragen auf.

In Sachen Hochschulzugang sprachen sie Töchterle wie Pechar für Aufnahmeverfahren aus. Bei einer Maturantenquote von etwa 40 Prozent sei der freie Hochschulzugang nur schwer aufrechtzuerhalten, so der Hochschulforscher. Selektion am Übergang zur tertiären Bildung sein daher unumgänglich.

Töchterle führte ins Treffen, dass derartige Selektionsmechanismen in fast allen übrigen EU-Staaten bereits Realität seien. Das Feststellen der Studienreife möchte der Minister zunehmend in die aufnehmenden Institutionen, also die Hochschulen, verlagern. Bei der angekündigten Hochschulmilliarde für die Jahre 2013 bis 2015 stehe er "in aussichtsreichen Verhandlungen", betonte Töchterle.