Erstellt am 06. Mai 2015, 12:05

von Markus Stefanitsch

Tschürtz: „Schwarz-Blau taugt mir“. FPÖ-Spitzenkandidat Hans Tschürtz betonte im BVZ-Gespräch, dass er nicht nur an eine Koalition mit der SPÖ denke. Sein Ziel: „Dass man an der FPÖ nicht mehr vorbei kann.“

»Krafttraining« für die heiße Phase. FPÖ-Chef Hans Tschürtz will Landesrat werden und »eine neue Regierungsform im Burgenland«. Foto: Millendorfer  |  NOEN, Millendorfer

BVZ: Wo würden Sie sich politisch einordnen?
Hans Tschürtz: So, wie wir es auch mit unseren Plakaten klar sagen: Die Freiheitliche Partei ist die neue soziale Heimatpartei, mit dem Fokus auf Heimat. Ich kann mit dem Begriff links oder rechts nicht wirklich was anfangen. Die freiheitliche Politik ist im Kern für die Sicherheit und für die Menschen im eigenen Land. Wir sind diejenigen, die in erster Linie auf die eigene Bevölkerung schauen. Wir wollen keine weltweite Vermischung aller Nationen.

„Am Bundesobmann gefällt mir, dass
er einen Rülpser sofort korrigiert“

Im engeren Kreis sagt man, dass Sie für die FPÖ fast zu brav sind und Ihnen manche Aussagen gar nicht so angenehm sind.
Alles, was mit ganz rechtem und linkslinkem Populismus zu tun hat – da würde ich mich auch nicht wohl fühlen. Es ist wichtig, Dinge in aller Klarheit anzusprechen, aber schon in einer Ausdrucksweise, die jeder versteht und wo keiner verunglimpft wird. Was mir an unserem Bundesobmann gefällt, ist, dass er, wenn jemandem ein Rülpser passiert, das sofort korrigiert, bis hin zu Ausschlüssen. Da gibt’s auch für mich kein Pardon.

Im Burgenland heißt es bei den Regierungsparteien sinngemäß: „Zum Glück haben wir so eine schwache Opposition.“ Woher kommt diese Wahrnehmung?
Ich glaube, dass das nur die politischen Mitbewerber sagen. Ich bin jetzt viel unterwegs und was man wirklich sagen kann: Dass sich die SPÖ auf FPÖ-Spuren befindet. Alle Themen, die die Freiheitliche Partei vorgegeben hat, auf diesen Spuren wandelt jetzt die SPÖ. Da haben wir als Oppositionspartei schon viel gestaltet.

So gesehen wäre die SPÖ der optimale Koalitionspartner …
Das kann man so nicht sagen. Es gibt mit der ÖVP Bereiche, da würde es mir irrsinnig taugen, eine Koalition zu bilden. Ich habe da, in aller Ehrlichkeit, keine Präferenz. Mit der SPÖ sehe ich das genau so.

„Wenn wir 15 oder 16 Prozent haben, wird
man an der FPÖ nicht mehr vorbei können“

Aber Schwarz-Blau wird es im Burgenland wohl nicht geben.
Das sehe ich nicht so. Bei der letzten Umfrage hat die ÖVP weniger verloren als die SPÖ. Es kommt darauf an, wo wir zu liegen kommen. Wir wollen der Bevölkerung mitteilen: Je mehr Stimmen ihr uns gebt, desto höher ist die Möglichkeit für eine neue Regierungsform, desto mehr kann man damit rechnen, dass die FPÖ Regierungsverantwortung bekommt. Wenn wir 15 oder 16 Prozent haben, wird man an der FPÖ nicht mehr vorbei können.

Glauben Sie eigentlich, dass SPÖ und ÖVP etwas anderes wollen als eine große Koalition?
Ich habe schon das Gefühl, dass da nur eine Schaumschlägerei passiert. Ich glaube, dass SPÖ und ÖVP schon abgemacht ist. Aber es ist schade, weil es die Möglichkeit gäbe, etwas anderes zu machen.

Sie plakatieren „Arbeit für unsere Leut‘“. Was heißt das im Detail?
Derzeit richtet sich die Wirtschaftsförderung nur nach gesicherten Arbeitsplätzen. Wir möchten, dass die neu geschaffenen Arbeitsplätze mehr gefördert werden. Wenn man noch einen Passus dazugibt „für unsere Burgenländer“, dann gibt es mehr Arbeit für unsere Leut‘. Da werden wahrscheinlich alle sagen, das ist nicht EU-konform, aber das interessiert mich nicht.

Beim Thema Arbeit matchen sich derzeit ja auch SPÖ und ÖVP.
Da sind sie aber auch erst jetzt draufgekommen. Vor ein paar Jahren haben sie mich da noch beschimpft. Das ist genauso wie bei der Asylproblematik, wo es dann immer heißt „die schlimmen Rechten“. Vor einigen Jahren habe ich gesagt, es sollten kulturnahe Flüchtlingsstätten entstehen. Das ist zwar ein hartes Thema, aber es ist ein ehrliches. Jetzt sagt sogar die Innenministerin, wir brauchen kulturnahe Flüchtlingsstätten.

„Es muss ein Gesamtsicherheitspaket geben,
ein Wohlfühlpaket für unsere Burgenländer“

Sind Sie in der Asylfrage eher für eine Aufteilung auf viele Gemeinden oder für größere Zentren?
Ich denke, kleinere Einheiten sind schon vorteilhafter. Trotzdem muss man irgendwann einen Berechnungsschlüssel für eine Höchstgrenze finden. Das klingt auch so hart, aber das muss so sein. Dieser Schlüssel müsste europaweit berechnet werden. Dann hätte das Recht und Ordnung.

Sie wollen Regierungsverantwortung übernehmen. Welche Ressorts hätten Sie am liebsten?
Mir würden die Themen Sicherheit und Verkehr sehr gut gefallen; so eine Mischung aus Sicherheits- und Verkehrslandesrat.

Und welche Punkte würden Sie da gerne umsetzen?
Zum einen sollen direkt an der Grenze temporäre Kontrollen durchgeführt werden. Zusätzlich wollen wir die Gemeindewache zur Verstärkung der Polizei. Es muss ein Gesamtsicherheitspaket geben, ein Wohlfühlpaket für unsere Burgenländer. Beim Verkehr wäre eine Burgenland-Schnellstraße durchs ganze Land ein Wahnsinn: Also von Neusiedl bis nach Oberwart und dann eine Anbindung an die S7.

Mit welchen Politikern im Land können Sie überhaupt nicht?
Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich mit einem gar nicht kann. Ich hab‘ da wirklich keine Berührungsängste.

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