Erstellt am 27. Mai 2015, 06:55

von Wolfgang Millendorfer und Katharina Zedlacher-Fink

„TV-Elefantenrunden“: Kritik und „Polit-Flirts“. Der ORF lud die Spitzenkandidaten zur Live-Runde, Schau-TV „talkte“ im Pannonia Tower. Emotionen gab‘s da wie dort.

Wahlkampf-Debatte im Pannonia Tower (v.l.): Franz Steindl (ÖVP), Hans Niessl (SPÖ), Moderator Gerald Groß, Hans Tschürtz (FPÖ), Regina Petrik (Grüne) und Manfred Kölly (LBL). Foto: Katharina Zedlacher-Fink  |  NOEN, Katharina Zedlacher-Fink
Als Burgenland-Premiere für alle Beteiligten sendete der ORF in der Vorwoche aus dem Landesstudio die Live-Runde der Spitzenkandidaten. Großteils verlief die Debatte sachlich – BVZ.at hatte direkt danach berichtet:



Was dabei auffiel: Immer wieder mussten sich die amtierenden Regierungspartner gegen Angriffe der Oppositionsparteien wehren, zwischen Landeschef Hans Niessl und seinem Vize Franz Steindl gab es aber keine bösen Worte.

Niessl verwies auf Erfolge der Vergangenheit und Steindl beschwor die Zusammenarbeit. Beide widmeten sich vorrangig ihren Konzepten für Arbeitsmarkt und Wirtschaft.

„Emotionalisierung braucht man für Botschaft“

Wie im Wahlkampf fand sich die Arbeitsplatz-Diskussion – und damit das Thema der Ausländerbeschäftigung – auch in der TV-Runde im Zentrum wieder.

Damit verbunden waren auch die nötigen Emotionen, meinte Polit-Experte Thomas Hofer in seiner anschließenden Analyse: „Man braucht eine Emotionalisierung, sonst kriegt man die Botschaft nicht rüber.“

x  |  NOEN, BVZ

So präsentierte sich FPÖ-Chef Hans Tschürtz als „einzige Alternative zu den Splitterparteien“. Grünen-Sprecherin Regina Petrik erneuerte das Angebot, einen neuen Stil in die Regierung bringen zu wollen. LBL-Abgeordneter Manfred Kölly übte sich vor allem in Regierungskritik und NEOS-Kandidat Christian Schreiter pochte auf mehr Bürgerbeteiligung.

Beim allgemeinen Wunsch, mitzuregieren sah Hofer in erster Line eines: „Indirekte Liebeserklärungen an die SPÖ.“

Streit um Arbeitsmarkt und um die Statistik

Es war der letzte öffentliche Schlagabtausch vor der Wahl. Moderator Gerald Groß konfrontierte die Kandidaten Montagabend mit fünf Themenblöcken (Ausländerbeschäftigung, EU-Förderungen für das Burgenland, Föderalismus, Sicherheit sowie Infrastruktur und Verkehr). Jeder Kandidat hatte eineinhalb Minuten Zeit seine Position zum Thema darzulegen.

Unstimmigkeiten gab es erneut bezüglich statistischer Zahlen, diesmal zum Thema Armutsgefährdung. Einigkeit bestand darin, dass mehr Arbeitsplätze mit Burgenländern besetzt werden sollten – beim Weg dorthin unterschieden sich die Positionen aber deutlich.

Für die Woche nach der Wahl versprach Landeshauptmann Hans Niessl, dass er mit allen Parteien Sondierungsgespräche über eine mögliche Koalition führen wird.


Zitiert:

„Vor fünfzehn Jahren hatten wir nicht diese Herausforderungen wie heute. Jede zweite Firma aus dem Ausland, die hier anbietet, macht Lohn- und Sozialdumping.“
Landeshauptmann Hans Niessl

„Es gibt viele Möglichkeiten: Dass zwei Parteien regieren, drei oder vier …“
Landesvize Franz Steindl

„Na selbstverständlich gibt‘s bei mir Toleranz. Ich habe sehr viele ausländische Freunde und auch in der Familie sind nicht alle Österreicher.“
FPÖ-Chef Hans Tschürtz

„17 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr klingt viel. Aber wie wir gesehen haben, kostet die Umfahrung einer einzigen Gemeinde mehr als 20 Millionen.“
Grünen-Sprecherin Regina Petrik

„Freifahrten für alle Pendler wären möglich, wenn wir Einsparungen machen. Ich denke da zum Beispiel an die Dienstfahrzeuge.“
LBL-Abgeordneter Manfred Kölly

„Wir werden nicht die Absolute machen, das weiß ich. Ich lade aber ein, die größte Chance statt dem kleinsten Übel zu wählen.“
NEOS-Kandidat Christian Schreiter

„Und warum kommt man da erst jetzt drauf?!“ – „Na wir machen jetzt alles!“
Kölly und Niessl

„Da kennen Sie die Arbeits-Realität nicht!“ – „Also, ich hab‘ schon mehr gearbeitet als Sie, das können Sie mir glauben.“
Regina Petrik und Hans Niessl

„Ich bin auch dafür, den Burgenländern eine Chance zu geben. Aber in einem freien Europa kann man nicht unterscheiden, ob das burgenländische Arbeitsplätze sind.“
Franz Steindl

„Wenn wir einen burgenländischen Arbeitsplatz schaffen und die EU das nicht zulassen will – na, das schau ich mir an!“
Hans Tschürtz

„Wir bräuchten die ungarischen Arbeiter nicht, wenn wir unsere Arbeitslosen auch für die Weingartenernte einsetzen können.“
Manfred Kölly

„Wir brauchen gute Jobs, die nicht vom Parteibuch abhängen.“
Christian Schreiter