Erstellt am 13. Januar 2015, 14:03

von Michael Pekovics und Wolfgang Millendorfer

Wirbel um „Süd-Manager“. Die SPÖ präsentierte Ex-Kurbad-Tatzmannsdorf-Chef Rudolf Luipersbeck als neuen Südburgenland-Manager. ÖVP und Opposition reagierten mit Verwunderung.

Hatte viel vor, definiert war noch wenig: Rudolf Luipersbeck lehnte den Job als Südburgenland-Manager ab.  |  NOEN, BVZ
„Luipersbeck hat Landeshauptmann Hans Niessl informiert und mir seinen Rückzug auch in einem Telefonat bestätigt“, sagt Landesrat Helmut Bieler (SPÖ), der es „toll gefunden hätte, wenn ein erfahrener Mann sich gratis für die Region eingesetzt hätte.“

Bieler tut es leid, „dass Luipersbeck beschimpft wurde“

Offenbar sei eine solche Bestellung in Vorwahlkampfzeiten, wo jeder sein eigenes Süppchen kocht, nicht umsetzbar: „Ich finde es schade, aber wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis nehmen. Mir persönlich tut es leid, dass er so beschimpft wurde“, meinte Bieler in einem ersten Statement.

x  |  NOEN, Michael Pekovics
Luipersbeck war bis dato für die BVZ noch nicht erreichbar, laut Bieler will er sich im Lauf des Tages mit einer Aussendung zu Wort melden. Für Bieler ist die massive Kritik der Opposition Grund für den Rückzug des kolportierten Südburgenland-Managers: „Ich verstehe seine Reaktion.“

Landesrätin Michaela Resetar, die sich am Montag, ebenfalls kritisch zur aktuellen Causa gemeldet hatte, reagierte am Dienstag überrascht auf die aktuelle Entwicklung: „So wie vor der Bestellung nicht mit uns gesprochen wurde, so ist es auch jetzt.“



Kritisiert wurde vor allem der fehlende Regierungsbeschluss und das nicht klar ersichtliche Aufgabenprofil des „Süd-Managers“: „Für all die angeführten Punkte gibt es ja bereits zuständige Personen oder Stellen“, sagt Resetar.

Sie vermutet als Hintergrund für den Rückzug „massiven Widerstand innerhalb der SPÖ – da wurde ja nicht mal mit den eigenen darüber gesprochen“. Überraschend sei für sie auch gewesen, dass in der heute Nachmittag stattgefundenen Regierungssitzung kein Wort über das Thema verloren wurde.

Luipersbeck: „Enttäuscht über unfaire politische Diskussion“

Dienstag Nachmittag meldete sich dann Luipersbeck selbst mit einer Aussendung zu Wort: „Als früherer Vorstandsdirektor der Kurbad Tatzmannsdorf AG ziehe ich meine Zusage, als Südburgenland-Manager zur Verfügung zu stehen, zurück. Ich bin sehr enttäuscht über die unfaire politische Diskussion, die sich entwickelt hat und das notwendige konstruktive Arbeiten unmöglich machen würde!“

Er habe ohne Bezahlung für das Südburgenland arbeiten wollen. „Die wirklich unfaire Diskussion der letzten Stunden auf allen Ebenen - verbunden mit unwahren Behauptungen und zahlreichen Unterstellungen gegenüber meiner Person - hat mir gezeigt, dass dieser Beitrag nicht von allen Seiten gewünscht wird. Als leidenschaftlicher Südburgenländer - viele Menschen wissen das - enttäuscht mich das sehr“, so Luipersbeck weiter.

Ein konstruktives Arbeiten erscheine ihm unter diesen Voraussetzungen „leider nicht möglich“, deshalb seine Entscheidung, die Zusage zurück zu ziehen: „Ich wünsche dieser sehr guten Idee aber das Beste!“

Schwere Kritik von Landesrätin Dunst

Mit Bedauern und schwerer Kritik an ÖVP und Opposition reagiert Landesrätin Verena Dunst auf den Rückzug von Luipersbeck als Südburgenland-Manager.

„Mit Luipersbeck wollte sich einer der profiliertesten Manager des Landes ohne Bezahlung für das Südburgenland zur Verfügung stellen. Es ist eine wirtschaftspolitische Bankrotterklärung der Steindl-ÖVP, dass sie dieses Vorhaben durch ihre unqualifizierte Kritik gemeinsam mit der Opposition verunmöglicht hat“, so die Landesrätin in einer Aussendung. „Wie kommt er dazu, sich anpatzen lassen zu müssen, weil er sich für das Südburgenland einsetzen will?“

Luipersbeck wäre prädestiniert wie kein Zweiter für die Aufgabe eines Südburgenland-Managers gewesen. Die Volkspartei habe ihm gemeinsam mit der Opposition diese Aufgabe so vermiest, dass er die Konsequenzen gezogen hat, so Dunst weiter.

Steindl kritisierte „unüberlegten Schnellschuss“

Anders argumentiert Landesvize Franz Steindl – der unüberlegte Schnellschuss sei laut ihm zum Selbstfaller für die SPÖ geworden: „Wenn eine solche Entscheidung getroffen wird, muss sie im Vorfeld gut aufbereitet werden. Als Regierungspartner hätte ich mir auch erwartet, dass wir von der SPÖ in dieser Angelegenheit informiert werden. Ich hätte das jedenfalls so gemacht.“

Jetzt habe die ganze Angelegenheit den Anschein eines billigen Wahlkampfgags, bei dem es um Parteitaktik und nicht um die Interessen des Südburgenlandes gegangen sei.

Einige der laut Landeshauptmann für Luipersbeck vorgesehenen Aufgaben könne man übrigens sofort in der Regierung umsetzen: „Niemand hindert uns z. B. daran, den Güterverkehr Oberwart-Friedberg wiederaufzunehmen, ein Gemeindebus-Modell umzusetzen oder die Museumsbahn Strecke Oberwart-Oberschützen zu revitalisieren,“ betont Steindl.

Tschürtz ätzte gegen „versorgten Amigo“

x  |  NOEN, BVZ
Ein Rückblick: Erst am Samstag hatte Landeshauptmann Hans Niessl bekannt gegeben, dass Rudolf Luipersbeck künftig als „Südburgenland-Manager“ für die südlichen Bezirke tätig soll.

Schließlich habe sich der 65-jährige ehemalige Direktor der Kurbad AG Bad Tatzmannsdorf einen Namen gemacht: „Er ist einer der Besten für diesen Job“, streute ihm der Landeshauptmann Rosen.

Die Bestellung kam aber ebenso überraschend wie die Verlautbarung auf einer Pressekonferenz direkt nach dem SPÖ-Präsidium.
 
Luipersbeck – er gab am Montag gegenüber der BVZ an, erst am Samstag Vormittag gefragt worden zu sein – dürfte von der Bestellung ähnlich überrascht gewesen sein, wie die anderen Parteien. Denn diese meldeten sich erst am Montag zu Wort.

„Mit uns hat kein Mensch gesprochen“, ärgerte sich etwa Landesrätin Michaela Resetar. FPÖ-Chef Johann Tschürtz sprach von einem „versorgten Amigo“ und die Grünen von einer „Wahlkampf-Vorkampagne“. Der ehemalige Kurbad AG Direktor versicherte aber noch am Montag gegenüber der BVZ, dass „ich gerne helfe, wenn ich gefragt werde“.
 
Laut einer Aussendung der SPÖ hätte Luipersbeck für das Südburgenland eine koordinative Schnittstelle sein sollen, um verschiedene Projekte, wie den Erhalt des Bahn-Güterverkehrs oder die Abwicklung von Förderungen, voranzutreiben beziehungsweise mitzuhelfen.

Die BVZ-Printausgabe berichtete: Wirbel um Süd-Manager Luipersbeck

Die SPÖ präsentierte Ex-Kurbad-Tatzmannsdorf-Chef Rudolf Luipersbeck als neuen Südburgenland-Manager. ÖVP und Opposition reagierten mit Verwunderung.

„Ein kompetenter Mann wird sich um das Südburgenland kümmern.“ So kündigte Landeshauptmann Hans Niessl nach der SPÖ-Präsidiumsklausur die neue Funktion des Südburgenland-Managers an. Übernehmen wird den Posten Rudolf Luipersbeck, der kürzlich als Vorstand der Kurbad Tatzmannsdorf AG in Pension ging.

Tschürtz: „Amigos, die versorgt werden müssen“

Der Regierungspartner ÖVP sieht in der „überhasteten Bestellung“ jedoch ein „durchsichtiges wahltaktisches Manöver“: „Mit uns hat im Vorfeld niemand gesprochen“, sagt Tourismus-Landesrätin Michaela Resetar. Für ihren ÖVP-Parteikollegen Bundesrat Walter Temmel wiederum ist die Causa „das Eingeständnis der SPÖ über das Versagen der Regionalpolitik und eine Alibi-Aktion“

Ähnlich sieht es auch Regina Petrik, Landessprecherin der Grünen: „Das wirkt wie eine Wahlkampf-Vorkampagne.“ FPÖ-Chef Hans Tschürtz legt noch eins drauf und spricht von „Amigos, die versorgt werden müssen – nicht ohne vorher eine Millionen-Abfertigung kassiert zu haben“.

„Wenn ich helfen kann, dann helfe ich gerne“

Für Niessl jedenfalls ist Luipersbeck „einer der Besten“: Er soll sich um sämtliche Bereiche kümmern – vom Verkehr bis zum Tourismus –, soll abgesehen von einer Aufwandsentschädigung „nichts kosten“ und „das eine oder andere Jahr“ in dieser Funktion arbeiten. „Und“, so Niessl, „das nicht nur vor Wahlen, sondern laufend.“ Konkrete Details müssen noch festgelegt werden.

Luipersbeck selbst wurde erst am Tag der Pressekonferenz informiert: „Um neun Uhr hat mich Landesrat Bieler angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Südburgenland-Manager zu werden. Und wenn ich helfen kann, dann helfe ich gerne“, verweist Luipersbeck auf sein weitreichendes Netzwerk: „Mir geht’s um die Sache. Jeder, der mich kennt, weiß das. Dass ich nicht still und leise in Pension gehe, war ja immer klar.“