Erstellt am 25. April 2012, 00:00

„Ungerecht behandelt“. RAIFFEISEN / Generaldirektor Julius Marhold plaudert über das Bankgeschäft, die Krise und über nicht stattfindende Jagden.

Julius Marhold steht heuer seit 30 Jahren an der Spitze der Raiffeisen Landesbank. Sein Vertrag läuft noch bis Mitte 2013.SEEBACHER  |  NOEN
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BVZ: War das Image der Banker jemals so schlecht wie heute?

Marhold: Die letzten Jahre waren ein Tiefpunkt. Früher sind Banken relativ unbeschadet durch Krisen gekommen – diesmal hat es die gesamte Branche erwischt.

BVZ: Woran liegt das?

Marhold: In Verruf geraten ist die Branche vor allem durch Investmentbanken. Wir fühlen uns dabei ein bisschen ungerecht behandelt, denn als Regionalbank haben wir damit nichts zu tun.

BVZ: Spüren Sie den schlechten Ruf auch im Tagesgeschäft?

Marhold: Nein, hier ist es umgekehrt. Der Kunde unterscheidet zwischen seinem Berater und der anonymen Bankbranche. Und da ist das Vertrauen hoch.

BVZ: Gab es in 30 Jahren Zeiten, wo Sie überlegt haben, ob sie den richtigen Job haben?

Marhold: Ja, aber selten. Mir hat die Arbeit immer viel Freude bereitet. Mein Motto war „Lieber Erster in Gallien als Zweiter in Rom“. Einen Wechsel innerhalb der Branche habe ich immer mit diesem Motto abgelehnt.

BVZ: Wie geht Raiffeisen mit dem Thema „Anfüttern“ um?

Marhold: Unsere Einladungen hielten sich immer in Grenzen. Die Kartenpreise zu unseren Einladungen nach Mörbisch oder St. Margarethen liegen zwischen 40 und 60 Euro.

BVZ: Und wie wird das Thema „Jagdeinladungen“ behandelt?

Marhold: Ich war noch nie auf einen Hirsch eingeladen. Und auch von unserer Seite würde es keine Jagdeinladungen geben.

BVZ: Welchen Ruf genießen Sie unter Ihren Mitarbeitern?

Marhold: Das ist schwer zu beantworten. Ich versuche, eine korrekte Haltung gegenüber meinen Mitarbeitern einzunehmen und nicht, der Kumpel zu sein. Es sollte vom Mitarbeiter und umgekehrt immer ein gewisser Respekt da sein.

BVZ: Wie lange werden Sie noch Generaldirektor sein?

Marhold: Mein Vertrag läuft bis Mitte 2013 und im nächsten Jahr werden wir Gespräche führen, ob noch eine Verlängerung stattfindet oder ob ich mich in den Ruhestand zurückziehe. Ganz wichtig ist es für mich, das Unternehmen geordnet zu übergeben.

BVZ: Was war der Höhepunkt in den vergangenen 30 Jahren?

Marhold: Dass ich von Anfang an bei der Ausdehnung in Richtung Mittel- und Osteuropa und beim Ausbau der RLB von einer Agrar- zu einer Wirtschaftsbank dabei war.

BVZ: Was soll Ihnen einmal nachgesagt werden?

Marhold: Dass ich Raiffeisen gut geführt habe.