Erstellt am 28. April 2011, 14:57

Unis setzen den Sparstift an. Nachdem die Regierung den Forderungen der Universitäten nach mehr Budget ab 2013 im am Mittwoch beschlossenen Bundesfinanzrahmen nicht nachgekommen ist, wird in den Rektoraten bereits der Sparstift gespitzt.

 |  NOEN
Viele Unis planen bereits konkrete Einsparungen bzw. haben schon gesetzte Maßnahmen wie Aufnahmestopps verlängert. Nach Angaben der Rektoren sind allein zur Aufrechterhaltung des Status Quo ab 2013 mindestens 300 Mio. Euro pro Jahr zusätzlich notwendig.

An der größten Hochschule des Landes, der Universität Wien, müssten ohne konkrete Budgetzusagen im Herbst 20 Mio. Euro eingespart werden, "und nicht erst ab 2013", wie eine Sprecherin der Uni betonte. Jeweils die Hälfte dieser Einsparungen betreffen den Sach- und den Personalaufwand. In den nächsten Wochen müsse klar werden, wie Maßnahmen einschleifend umgesetzt werden, "damit das budgetär nicht aus dem Ruder läuft".

An der Technischen Universität (TU) Graz steht man nach Angaben von Rektor Hans Sünkel schon "seit mehreren Monaten auf der Bremse". So gebe es seit Ende November vergangenen Jahres einen Berufungsstopp, der bis 30. April befristet gewesen sei. Nachdem der Finanzrahmen nun keine Lösung gebracht habe, werde diese Maßnahme verlängert. Betroffen davon seien zunächst nur Professoren, Sünkel kann sich aber "vorstellen, dass es in Kürze auch Gespräche mit der Gewerkschaft öffentlicher Dienst geben wird, welche Personalmaßnahmen unterschiedlichster Ausprägung im Fall der Fälle, wenn es wirklich nicht mehr Geld gibt, durchgezogen werden müssen".

Ähnlich die Situation an der Medizinischen Universität Wien, wo bereits seit 1. Jänner dieses Jahres ein Großteil der freiwerdenden Stellen nicht nachbesetzt wird. War diese Maßnahme ursprünglich nur bis Ende April gedacht, müsse sie nun voraussichtlich verlängert werden, befürchtet Rektor Wolfgang Schütz im Gespräch mit der APA. Sollte das Budget ab 2013 nicht erhöht werden, wären davon zwischen 150 und 200 Stellen betroffen; insgesamt würden der Uni 30 bis 40 Mio. Euro pro Jahr fehlen. In der Forschung könnte in den kommenden zwei bis drei Jahren die Auflösung von Instituten nötig werden und vor allem im klinischen Bereich, wo die Uni die Routineversorgung im AKH übernehme, wäre es "heikel".

Auch an der Universität für Bodenkultur (Boku) hat das Rektorat sich angesichts der unklaren Budgetentwicklung "jeden Posten angeschaut". Nachbesetzungen können nur eingeschränkt durchgeführt werden. Auch Infrastruktur- und Investitionsvorhaben mussten reduziert bzw. verschoben werden. Durch die hohen Fixkosten bei Personal, Gebäuden und Lehrangebot und den gleichzeitig ungebrochenen Zustrom an Studierenden könnten ab 2013/2014 "Riesenprobleme" auf die Boku zukommen, warnt die Vizerektorin für Finanzen, Andrea Reithmayer: "Wenn die Inflation nicht abgedeckt wird, bekommen wir ein Liquiditätsproblem."

An der Wirtschaftsuni wurden bereits für das Budget 2011 Einsparungen vorgenommen, sowohl bei den Sachmitteln als auch beim Personal. Hier werden etwa Stellen - sowohl im wissenschaftlichen als auch administrativen Bereich - erst mit einer Verzögerung von vier Monaten nachbesetzt.

An der Technischen Uni Wien wird derzeit noch an einem konkreten Plan gearbeitet. Obwohl zwei Drittel des Budgets in den Personalbereich gehen, wolle man diesen "als letztes angreifen. Aber unter diesen Budgetvorgaben müssen wird natürlich auch das ins Auge fassen". Auch die Uni Salzburg setzt laut Rektor Heinrich Schmidinger "noch keine restriktiven Maßnahmen". Sollte sich aber Mitte dieses Jahres herausstellen, dass sich die gesetzten Budgetziele nicht erreichen lassen, werde schon spätestens Oktober ein Aufnahmestopp sowie eine Einschränkung der Investitionen vorgenommen. "Werden die Universitätsbudgets tatsächlich eingefroren, so sind Restriktionsmaßnahmen ab Herbst und zwar auf Dauer unvermeidlich", so Schmidinger.

An der Kunstuniversität Graz (KUG) müssten ohne Erhöhung des Globalbudgets laut Rektor Georg Schulz folgende Maßnahmen ergriffen werden: Vollkommener Investitionsstopp ab 2013, radikale Kürzungen bei den Produktionsbudgets, Reisekostenzuschüssen, Gastlehrende usw. Weiters müssten Wahlfächer stark reduziert werden. Gemeinsam mit einer Reduktion der Studierendenzahlen sei dann auch ein Abbau des Personals zu erwarten.