Erstellt am 13. Juli 2012, 12:46

Unis und Sponsoring durchaus eine Option. Mehr private Zuwendungen aus der Wirtschaft bzw. verstärkte Sponsoringaktivitäten der Unis haben sich Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Wifo-Chef Karl Aiginger für die Hochschulen diese Woche gewünscht.

© Foto: Franz Baldauf , 27.03.2012 , Wien , Wissenschaftsminister Karlheinz töchterle  |  NOEN, Franz Baldauf
Ein Rundruf unter den Universitäten zeigt, dass dieses Thema an den Unis durchaus verankert und etwa durch Hörsaalbenennungen oder Stiftungsprofessuren dokumentiert ist - die Hochschulen spüren aber neben dem staatlichen auch den Spardruck der Wirtschaft.

Platzhirsche in Sachen Sponsoring sind derzeit allerdings nicht die öffentlichen Unis. Am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Maria Gugging (NÖ) ist der große Anteil der privaten Geldgeber schon allein am Campusplan sichtbar. Das nach dem Pharmaunternehmer Peter Bertalanffy, dessen Invicta Privatstiftung einen Betrag von zehn Mio. Euro gespendet hat, benannte Bertalanffy Foundation Building liegt dort neben der Raiffeisen Lecture Hall bzw. gegenüber dem Voestalpine Building. Genutzt werden können auch das Mondi Seminar Center, der Oberbank Ballroom und die Berndorf Suite.

Auch die 2003 gegründete "Paracelsus Medizinische Privatuniversität" (PMU) hat gleich von Start weg stark auf private Förderer gesetzt und finanzierte einen erheblichen Teil ihres Gesamtbudgets der ersten fünf Jahre in Höhe von knapp 27 Mio. Euro von privater Seite. Sponsoren wie Rudi Quehenberger, Donald Kahn oder Peter Schröcksnadel hatten 8,1 Mio. Euro zugeschossen, Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz beim Ankauf der Liegenschaft für die PMU mit zwei Mio. Euro geholfen. 2007 hat der Schweizer Unternehmer Hansjörg Wyss für den PMU-Neubau vier Mio. Euro zur Verfügung gestellt. In die Vollen gegriffen hat Mateschitz dann heuer, als er für ein neues Querschnittslähmungs-Forschungszentrum an der PMU 70 Millionen Euro zur Verfügung stellte.

Bei diesen Größenordnungen können die öffentlichen Unis nur schwer mithalten. Das sichtbarste Sponsoring hat die Technische Universität (TU) Graz an Land gezogen: 2003 hatte der damalige Magna-Chef Frank Stronach einen Vertrag über die Einrichtung eines nach ihm benannten Instituts an der Fakultät für Maschinenbau unterzeichnet, der in insgesamt zehn Jahren Zuwendungen in Höhe von rund 24 Mio. Euro vorsah. Am Frank-Stronach-Institut wurden insgesamt vier Lehrstühle für Fahrzeugtechnik, Fahrzeugsicherheit, Werkzeugtechnik für spanlose Produktion sowie Production Science and Management eingerichtet, von denen drei Magna finanziert. Das neue Institutsgebäude für das FSI wurde von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) errichtet und durch Magna angemietet. Erst vor wenigen Wochen verlängerte Magna den Vertrag und stellte für weitere fünf Jahre jährlich zwei Mio. Euro für Forschung und Ausbildung zur Verfügung.

Auch in Sachen Hörsaalsponsoring gehört die TU Graz zu den Vorreitern bei den öffentlichen Unis: Hörsäle bzw. Seminarräume sind etwa nach Elin, Epcos, Knapp Logistik, Lenzing, Porr, Siemens, Verbund und VTU Engineering benannt. Außerdem finanziert die SIC-Stiftung zum Teil eine Professur im Bereich Kryptografie, an anderen Instituten finanzieren externe Partner die Kosten wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Für Sponsoringeinnahmen geradezu prädestiniert erscheint die Wirtschaftsuniversität (WU): Sie soll 2013 einen neuen Campus beziehen und gilt als Ausbildungsort künftiger finanzkräftiger Manager. Rektor Christoph Badelt hat auch ein großes Hörsaalsponsoring-Projekt gestartet: "Aber es ist derzeit extrem schwierig. Ich gehe von Generaldirektor zu Generaldirektor, aber wir haben noch keinen einzigen unterschriebenen Vertrag", so Badelt.

Die Aufforderung von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Wifo-Chef Karl Aiginger, sich um Sponsoren umzusehen, hat der WU-Rektor mit Erstaunen registriert. "Wir tun das ja ständig, sind aber mit Schwierigkeiten konfrontiert, die zum Teil in der Mentalität liegen, zum Teil aber auch gesetzlich - vor allem im Stiftungsrecht - begründet sind." Bankdirektoren hätten ihm schon gesagt, dass sie nicht gerne zweimal zahlen würde - einmal Bankensteuer und einmal für Sponsoring.

An der derzeitigen WU hat es kein Hörsaalsponsoring gegeben, so Badelt: "Weil die Hörsäle zu schäbig waren." Für die neue WU gebe es derzeit Verhandlungen mit sieben bis acht Interessenten, nicht zur Disposition steht aus Symbolgründen das Audimax. Abseits von Hörsälen gibt es durchaus bereits Sponsoring an der WU: So sponsere etwa Raiffeisen das Sprachlabor bzw. eine Sommeruniversität. Insgesamt stammen derzeit rund zwei bis drei Prozent des WU-Budgets aus Sponsoring - wobei die Abgrenzung schwierig sei, so Badelt. "Das Wesen von Sponsoring ist ja, dass es sich nicht marktwirtschaftlich mit einem Werbewert gegenrechnet - sonst wäre es ja kein Sponsoring, sondern ein Geschäft."

Die WU verfügt außerdem über drei Stiftungsprofessuren, über ein bis zwei weitere stehe man in Verhandlungen, so Badelt. Damit über diese kein Einfluss auf die Lehr- und Forschungstätigkeit genommen werde, sei "eine Kombination aus juristischer Vorkehrung und Rückgrat der Beteiligten" nötig. So werde etwa vertraglich klargestellt, dass das Berufungsverfahren ausschließlich im Einflussbereich der Unis liegt. "Der Sponsor weiß, dass er sich die Person nicht aussuchen kann." Manchmal sei in den Verträgen festgelegt, dass dem Sponsor durch die Professur eine Beratungsleistung in kleinem Ausmaß zusteht.

Die Grenzen von Sponsoring sieht Badelt "überall dort, wo die akademische Freiheit gefährdet erscheint". Er habe bereits mehrfach Angebote bekommen, gegen eine bestimmte Geldleistung jemanden zum Ehrendoktor zu machen. "Akademische Qualifikation kann man aber nicht kaufen. Da muss ich klar sagen, das darf man nicht machen." Im Zusammenhang mit Stiftungsprofessuren sei ihm ein derartiges Angebot nur einmal in ganz lockerer Form untergekommen - "da war es dann ganz einfach, das schnell vom Tisch zu wischen".