Erstellt am 07. Februar 2014, 07:22

US-Europabeauftragte mit diplomatischem Fauxpas. Die Europa-Beauftragte des US-Außenamtes ist bei einem undiplomatischen Kommentar über die Rolle der Europäischen Union in der Ukraine ertappt worden.

"Fuck the EU", ist von Victoria Nuland in einem Telefonat zu hören, das am Donnerstag auf der Online-Plattform Youtube auftauchte. Nach Angaben Washingtons entschuldigte sich Nuland bei ihren EU-Kollegen. Die USA vermuten Russland hinter dem Leck.

Skepsis wegen Klitschko-Rolle in Ukraine

In dem nicht datierten Gespräch mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, ist Nulands Stimme deutlich erkennbar. In dem gut vierminütigen Mitschnitt geht es um die Proteste in der Ukraine und den Versuch von Präsident Janukowitsch, die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko in die Regierung zu holen. Beide Männer lehnten das Angebot ab.

Die US-Verantwortlichen schienen nicht begeistert von der Idee zu sein, dass Klitschko stellvertretender Ministerpräsident werden könnte. "Die Klitschko-Sache ist offenkundig das komplizierte Elektron hier", ist Pyatt zu hören.

Der Boxweltmeister sollte das Amt nicht antreten und "seine politischen Hausaufgaben" machen. Auch Nuland äußert sich skeptisch über eine Regierungsbeteiligung von Klitschko: "Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist."

Fauxpas: "Weißt du, scheiß' auf die EU"

Nuland und Pyatt sprechen auch über die Pläne von UN-Generalsekretär Ban, den niederländischen Diplomaten Robert Serry als seinen Ukraine-Gesandten zu ernennen. Serrys Ernennung wäre "großartig", damit die UNO die Dinge in der Ukraine "zusammenklebt", sagt die Abteilungsleiterin von Außenminister John Kerry und ergänzt: "Weißt du, scheiß' auf die EU". Pyatt äußert in seiner Antwort die Befürchtung, dass Russland eine Lösung in der Ukraine "hinter den Kulissen" torpedieren könnte.

Wie der Mitschnitt des vertraulichen Gesprächs ins Internet gelangte, war unklar. Das Weiße Haus deutete aber an, dass Russland hinter dem Leck stehen könnte. Das mit russischen Untertiteln versehene Video sei von der Regierung in Moskau über den Onlinedienst Twitter verbreitet worden, erklärte der Sprecher von Präsident Obama, Jay Carney. "Das sagt etwas über Russlands Rolle aus."

Auch Außenamts-Sprecherin Jen Psaki sprach von einem "neuen Tiefpunkt" der russischen Spionagepraxis. Nuland habe bereits zu ihren EU-Kollegen Kontakt aufgenommen und sich "natürlich" entschuldigt, fügte sie hinzu.