Erstellt am 24. Mai 2011, 13:09

"Verletzung der Schulpflicht": 177 Anzeigen wegen vorgezogener Ferien. Wenn Eltern mit ihren Kindern noch vor dem offiziellen Ende des Semesters oder Schuljahrs in die Ferien aufbrechen, kann ihnen das eine Anzeige des Schulleiters wegen Verletzung der Schulpflicht einbringen.

Dass es sich dabei nicht um totes Recht handelt, zeigt die aktuelle Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S): Von Beginn des Sommersemesters 2010 (je nach Bundesland Anfang bis Mitte Februar) bis zum 29. März 2011 gab es demnach 177 Anzeigen gemäß §24 des Schulpflichtgesetzes.

Die meisten Anzeigen gab es in diesem Zeitraum in Niederösterreich (67) und Tirol (60). In Oberösterreich (41 Anzeigen) wird "für Urlaubszwecke bzw. Ferienverlängerung grundsätzlich keine Erlaubnis zum Fernbleiben vom Unterricht erteilt". Deutlich seltener aktiv wurden Schulleiter hingegen in der Steiermark (14 Anzeigen), aus Salzburg meldet der Landesschulrat nur zwei Fälle, aus Kärnten und Vorarlberg einen. Überhaupt keine Anzeige gegen Eltern, die das Semesterende eigenmächtig vorverlegt haben, gab es in Wien und im Burgenland.

Welche Folgen die Anzeige für die Familien hat, fällt nicht mehr in die Zuständigkeit der Schulbehörden, sondern der Bezirksverwaltungsbehörden. Diese können Geldstrafen bis zu 220 Euro verhängen. Wenn der Schüler aus Sicht der Lehrer wegen längeren Fernbleibens nicht benotet werden kann, muss er außerdem eine Feststellungsprüfung ablegen.

Aus Sicht des Landesschulrats für Tirol zeigen die Anzeigen Wirkung: Es sei in einigen Fällen "kein weiteres unentschuldigtes Fernbleiben mehr zu verzeichnen gewesen". Auch in Oberösterreich habe sich "durch die Anzeigenerstattung die Situation wesentlich gebessert", ebenso in Niederösterreich.

Präventiv setzen mehrere Landesschulräte laut Anfragebeantwortung auf "intensive Elterngespräche" und Zusammenarbeit mit der Jugendwohlfahrt. In Vorarlberg versucht man indes die Eltern zu überzeugen, "wie wichtig die letzte Schulwoche im Bereich der Gemeinschaftsbildung und -verantwortung ist".