Erstellt am 10. Januar 2011, 16:43

"Volksbegehren Bildungsinitiative"startet. Mit einem "Vernetzungstreffen" zum "Volksbegehren Bildungsinitiative" hat der Industrielle und ehemalige Vizekanzler Hannes Androsch am Montag Nachmittag im Wiener Museumsquartier den Startschuss zur konkreten Ausarbeitung der Forderungen des von ihm initiierten Projekts gegeben.

 Bis 3. Februar soll ein Textentwurf für das Volksbegehren stehen, der auf den Ergebnissen der heutigen Diskussion basiert und an diesem Tag bei einem weiteren Treffen zur Kenntnis gebracht werden soll, so Androschs Mitstreiter Beppo Mauhart vor Journalisten.

Unmittelbar danach soll mit der Sammlung der nötigen 8.032 Unterstützungserklärungen begonnen werden. Die Unterschriftswoche könnte dann bereits im Mai stattfinden. "Fixer Punkt" wird nach Einschätzung Mauharts die Ganztagsschule sein, bei der sich Unterricht, Freizeit und Betreuung abwechseln. "Ganz sicher nicht" enthalten sein werde dagegen die Forderung, dass es nur eine Gesamtschule geben dürfe - so weit sei man in Österreich noch nicht, schätzte Mauhart die Stimmung ein.

Für die Forderungen des Volksbegehrens sollen möglichst viele der beim Vernetzungstreffen angesprochenen Punkte aufgegriffen werden, betonte Mauhart. Allerdings dürfe daraus "kein beliebiger Text" werden: "Es darf nicht so sein, dass es niemandem wehtut."

Im Museumsquartier versammelten sich zu den Klängen der Filmmusik von "Mission Impossible" rund 150 Personen, um sich nach dem Speed-Dating-Prinzip an verschiedenen Tischen auszutauschen. Gleich beim medienöffentlichen Beginn wurde dabei von den Moderatoren der Beratungsfirma Deloitte klargemacht, dass es beim Auftakt nicht um die Festlegung von Inhalten gehe, sondern um das "Zusammentragen der wichtigsten Positionen und Anliegen". Ziel für heute sei es nicht, einen konkreten Text zu erarbeiten - niemand müsse sich auch schon jetzt entscheiden, ob er teilnehme oder nicht.

Androsch selbst legte die Latte gleich hoch: Was Maria Theresia mit der Einführung der Volksschule, Wilhelm Humboldt mit seiner Universitätsreform in Preußen oder Otto Glöckel mit seiner Schulreform in der Zwischenkriegszeit erreicht habe, brauche man in ähnlicher Form auch für die Bewältigung des 21. Jahrhunderts. "Unser System ist modernisierungsbedürftig, darüber sind wir einig." Ihm gehe es darum, Erstarrtes in Bewegung zu bringen. Einmal mehr betonte er, dass es sich bei seiner Initiative um eine überparteiliche Bewegung handle: "Wir sind nicht gegen etwas oder jemand oder eine Institution, sondern für etwas."

Darauf hoffen etwa auch die Hochschülerschaftsvertreter: "Das darf kein Androsch- oder Partei-Volksbegehren werden", meinte der stellvertretende ÖH-Chef Thomas Wallerberger zur APA. Auch die Grünen stellten ähnliche Bedingungen für eine Unterstützung: "Das darf kein Wahlkampf-Volksbegehren der SPÖ werden", so die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig bei einer Pressekonferenz am Vormittag. Sollte die - von Androsch wiederholt erhobene - Forderung nach Studiengebühren enthalten sein, kommt eine Unterstützung für die Grünen ebenfalls nicht in Frage. Der Vorsitzende des Dachverbands der Pflichtschul-Elternvereine, Gerald Netzl, erwartet sich vom Volksbegehren "Schwung und eine positive Dynamik für die Bildungsdiskussion" und hoffte gegenüber der APA auf "Reformen, die den Namen auch verdienen".

Etwas ungewohnt für bildungspolitische Diskussionen war die Zusammensetzung des Vernetzungstreffens. Nicht dabei waren etwa Vertreter der Lehrer-Gewerkschaft der GÖD - dafür Vertreter der GÖD-Hochschulsektion bzw. der unabhängigen Bildungsgewerkschaft. Stark vertreten dafür die Wissenschaft etwa mit dem Philosophen Konrad Paul Liessmann, dem Mathematiker Rudolf Taschner oder dem Chef des Instituts für Bildungsforschung, Günter Haider - die stärkste Parteienfraktion entsendete das Liberale Forum.