Erstellt am 28. August 2012, 14:50

„Waren immer korrekt“. Fall Kampusch, Kommune Mühl, Bombenwarnung beim Papst-Besuch – viele spektakuläre Fälle wurden in der Ära von Nikolaus Koch aufgeklärt.

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VON MARKUS STEFANITSCH

BVZ: Herr Generalmajor, mit 1. September sind Sie nicht mehr Kommandant. Worauf freuen Sie sich in der Pension?
Koch: Auf meine Gesundheit, auf mehr Zeit mit meiner Familie und auf das Leben in meiner Heimatgemeinde Mönchhof.

BVZ: Was waren Ihre persönlichen Highlights?
Koch: Zu Beginn meiner Karriere war der Bundesdienst nicht gut bezahlt und es gab noch keine Dienstzeitregelung. Da war sehr viel Idealismus im Spiel. Danach hab ich alles erlebt, angefangen vom Weinskandal, über die herausfordernde WBO-Affäre bis hin zum großen Papst-Besuch oder den Kriminalfällen Bank Burgenland und der Kommune Mühl. Alleine dort hatten wir damals 3500 Videos sichergestellt, die wir in akribischer Kleinarbeit durchgearbeitet haben. Aber der entscheidendste Faktor war sicherlich das Jahr 1989, wo wir von einem Tag auf den anderen von einer Grenzregion in eine Zentrallage Europas gerutscht sind. Plötzlich gab es vollkommen andere Voraussetzungen. Da haben wir sofort versucht, mit unseren unmittelbaren Nachbarn Kontakte zu knüpfen. Ich konnte zwar nie die Sprache, aber ich habe immer eine Verbindung gespürt.

BVZ: Kann man sagen, das war die Entwicklung von der Dorfgendarmerie hin zur internationalen Polizei?
Koch: Ich bin ein Freund des integrierten Polizisten. Das haben wir im Burgenland. Unsere Leute sind voll im gesellschaftlichen Leben integriert. Mit allen Vor- und Nachteilen. Aber das ist mit ein Grund, warum wir eine der höchsten Aufklärungsraten in Österreich haben.

BVZ: Ist die Bereitschaft der Bevölkerung mitzuarbeiten und mitzuhelfen in der heutigen Zeit geringer als früher?
Koch: Man muss zur Mitarbeit immer wieder einladen, da sich ja auch die Bevölkerungsstruktur immer wieder ändert.

BVZ: In der Bevölkerung entsteht oft der Eindruck, dass die Polizei mehr bei den Autofahrer abkassiert als in den Ortschaften präsent zu sein ...
Koch: Beides gibt es. Wenn wir strafen, sind wir präsent. Ich bin mir aber sicher, dass wir mindestens so viele Autofahrer abmahnen, wie wir Strafen ausstellen. Nur das wird eben nicht erfasst. Aber eines ist Fakt, wir genießen im Burgenland mit 77 Prozent ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Das ist auch Bestätigung für unsere Arbeit.

BVZ: Was waren so die „Schmankerl“ Ihrer Amtszeit?
Koch: Da gab es viele, aber besonders ist mir der 24. Juni 1988 in Erinnerung. Ich war Einsatzleiter mit 400 Mann beim Österreich-Besuch von Papst Johannes Paul II. 70.000 Besucher waren bei der Messe, als plötzlich der Anruf kam, dass unter dem Altar eine Bombe liegt. Wir wussten zwar, dass es eigentlich unmöglich war, dass jemand dort bei unseren Sicherheitsvorkehrungen eine Bombe hinterlegen könnte, aber dennoch war das eine Aufregung. Ich hab mich dann mit dem Reise-Marshall des Papstes beraten. Und der hat dann zu mir gesagt: Wir trinken jetzt ein Cola und warten ab, wir können nichts mehr machen. Zum Glück gab's dann bald Entwarnung. Aber das waren wirklich bange Minuten.

BVZ: Haben Sie auch jemals politischen Druck verspürt?
Koch: Ich war immer mit Leidenschaft bei der Sache und war stolz auf unser Team. Den politischen Druck hab ich nie verspürt, weil wir immer korrekt gearbeitet haben. Denn nicht umsonst ist zum Beispiel die SOKO KFZ im Burgenland angesiedelt und unsere Kollegen halten europaweit Vorträge. Außerdem leiten wir die Kooperationszentren in der Slowakei, in Ungarn und Slowenien.

BVZ: Ein großer Fall in Ihrer Amtszeit war natürlich Natascha Kampusch. Wie sehen Sie den Fall aus heutiger Sicht?
Koch: Wir haben den Fall 2002 übernommen und Natascha Kampusch ist 2006 aus der Gefangenschaft entkommen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass in diesen vier Jahren kein einziger Hinweis auf den späteren Täter gekommen ist. Es ist überhaupt nichts vertuscht worden. Es gab vor meiner Zeit Alibi-Überprüfungen des Herrn Prikopil, die allesamt positiv für ihn ausgegangen sind. Aber selbst mit Hinweisen hätten wir bei einer Hausdurchsuchung mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts gefunden. Denn man kann nicht durch Wände gehen. Auch danach haben wir den Tatort genauestens untersucht, damit wir hier nichts übersehen konnten. Eines darf man auch nicht vergessen: Natascha Kampusch war Opfer und wir haben bei unseren Erhebungen den Opferschutz voll respektiert. Und grundsätzlich: Würden Sie jemanden schützen, der sie acht Jahre eingesperrt und Ihnen die Kindheit geraubt hat?

Landespolizeikommandant Nikolaus Koch
geboren am 28. Februar 1949
verheiratet
wohnhaft in Mönchhof

31. 12. 1969 bis 30. 4. 1971 Grundausbildung, Landesgendarmeriekommando Niederösterreich
1. 5. 1971 bis 31. 8.1977 eingeteilter Beamter
1. 9. 1977 bis 30. 6.1978 Ausbildung zum dienstführenden Beamten
1. 7. 1978 bis 31. 8. 1978 dienstführender Beamter
1. 9. 1978 bis 20. 6.1980 Ausbildung zum leitenden Beamten
1. 7. 1980 bis 31. 1.1984 leitender Beamter im Landesgendarmeriekommando Burgenland, stellvertretender Kommandant der Kriminalabteilung
1. 2. 1984 bis 30. 6. 1989 Landesgendarmeriekommando Burgenland, Kommandant der Stabsabteilung, Leiter der Personalabteilung
1. 7. 1989 bis 30. 6. 2002 Landesgendarmeriekommando Burgenland, Kommandant der Kriminalabteilung
1. 7. 2002 bis 31. 12. 2002 Landesgendarmeriekommando Burgenland sowie strategischer Leiter und stellvertretender Landesgendarmeriekommandant Burgenland
1. 1. 2003 bis 20. 6. 2005 Landesgendarmeriekommandant Burgenland
1. 7. 2005 bis 1. 9. 2012 Landespolizeikommandant für das Burgenland