Erstellt am 11. Januar 2014, 10:02

Weiter Debatte in der ÖVP um Gesamtschule. Die ÖVP-interne Debatte zur Gesamtschule geht weiter. Oberösterreichs Landeshauptmann Pühringer wirft parteiinternen Befürwortern vor, nur aus Ärger über Postenbesetzungen bei der Regierungsbildung gegen die Bundespartei querzuschießen.

Wiens ÖVP-Chef Juracka rudert unterdessen nach jüngsten Signalen pro Gesamtschule zurück. Wirtschaftskammer-Präsident Leitl sieht die gemeinsame Schule als Chance. Die Wiener ÖVP fühlte sich am Samstag zu einer Klarstellung genötigt, hatte Landesobmann Manfred Juraczka doch am Vortag durchblicken lassen, dass er mit einer - z.B. von Vorarlberg geforderten - Testregion für die Gesamtschule kein Problem hätte. Nunmehr betont Juraczka, dass die ÖVP den Erhalt des Gymnasiums ins Regierungsprogramm hineinverhandelt habe und das sei "gut so". Parteichef Spindelegger habe daher die "uneingeschränkte Unterstützung" der Stadtpartei.

Wolle nun ein Bundesland Schulversuche mit der gemeinsamen Schule machen wolle, sei diesem das unbenommen. Allerdings sieht er ein Paradoxon: "Die Gesamtschule hat ja bekanntlich den Anspruch, alleinige Schulform aller 10- bis 14-jährigen Schüler sein zu wollen. Das ist eine Situation, die sich durch einen Schulversuch nicht simulieren lässt."

Kritik aufgrund politischer Kämpfe?
Stets auf Linie der Bundespartei waren die oberösterreichischen Schwarzen. Deren Chef, Landeshauptmann Pühringer, meint, andere als schulische Motive in der Kritik einiger ÖVP-Länder an der Spindelegger-Linie zu erkennen: "Landesobmänner sind verärgert, weil sie mit ihrem Land nicht in der Bundesregierung vertreten sind. Wenn man enttäuscht ist, kritisiert man leichter", sagt Pühringer. Der Landeshauptmann wendete sich gegen "Stellvertreter-Kämpfe" und befindet, dass die Umsetzung der Neuen Mittelschulen und der Ausbau der Ganztagsschulen "Aufgabe genug für die nächsten Jahre" seien.

Gemeinsame Schule als Chance
Sein Landsmann Leitl hat wiederum mit der Gesamtschule kein Problem. Wenn es eine Differenzierung gebe und eine Förderung der Talente, sei die gemeinsame Schule keine Bedrohung mehr sondern eine Chance, meint er. Voraussetzung für eine Modellregion ist für ihn freilich, dass eine Rückkehr zum alten System möglich ist, sollte sich der Gesamtschulversuch als nicht zielführend erweisen.