Erstellt am 09. Dezember 2010, 20:08

Weiter kein KV für AUA-Bodenpersonal - Proteste am Montag. Auch in der dritten Verhandlungsrunde konnten sich Belegschaftsvertreter der 2.600 Beschäftigten des AUA-Bodenpersonals und das Management nicht auf einen Kollektivvertrag einigen.

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Reisende am Flughafen Schwechat müssen am kommenden Montag (13.) und möglicherweise an den Folgetagen gute Nerven beweisen. Auch in der dritten Verhandlungsrunde konnten sich Belegschaftsvertreter der 2.600 Beschäftigten des AUA-Bodenpersonals und das Management nicht auf einen Kollektivvertrag einigen. Am Montag soll ab 9 Uhr in einer Betriebsversammlung geklärt werden, wie es nun weiter geht. Aus Personalkreisen war zu hören, dass es dann durchaus umfangreichere Proteste geben werde als noch am Donnerstag vergangener Woche. Damals kam es zu minimalen Behinderungen des Flugverkehrs, die AUA-Schalter wurden rund zehn Minuten blockiert.

AUA-Vorstand Peter Malanik rechnet jedenfalls nicht mit Streiks, Vorkehrungen in diese Richtung seien daher auch nicht notwendig, sagte er am Freitagnachmittag im Gespräch mit Journalisten. Vereinzelte Proteste wären aber möglich, nun liege es an der Belegschaftsvertretung und der Gewerkschaft, hier dem Unternehmen keinen Schaden zuzufügen. Betriebsratschef Alfred Junghans und GPA-Vizeboss Karl Proyer hingegen sehen die Schuld für Behinderungen bei Malanik, der bereits getätigte Zusagen wieder zurückgezogen habe. Malanik bestätigte, dass er heute mit einem neuen Angebot in die Verhandlungen gegangen ist, was eine Folge dessen sei, dass der Vorschlag der letzten Verhandlungsrunde diesen Montag nicht auf die Zustimmung der Belegschaft stieß.

Der neue Vorschlag sah laut Malanik so aus: Beschäftigte mit einem Bruttoeinkommen unter 2.000 Euro hätten eine Lohnerhöhung um 35 Euro bekommen, wer bis zu 2.500 Euro verdient, hätte 30 Euro erhalten. Für alle Beschäftigten mit einem höheren Einkommen hätte es einmalig 300 Euro gegeben. Rund die Hälfte des AUA-Bodenpersonals verdient demnach weniger als 2.500 Euro brutto im Monat. Wer nur 1.800 Euro verdient, hätte bei dieser Regelung sogar mehr als nur die Inflationsabgeltung bekommen, rechnete der AUA-Boss vor. Zum Vergleich: Ein AUA-Vorstand verdient im Jahr rund 300.000 Euro brutto.

Dass das Bodenpersonal, im Gegensatz zur fliegenden Belegschaft, keine Inflationsabgeltung im Kollektivvertrag stehen hat, verteidigte Malanik. Dies sei eben ein "Rucksack", den das Flugpersonal aus der Vergangenheit mitgenommen habe. Die nun vorgeschlagenen Erhöhungen für niedrigere Einkommensgruppen plus die Einmalzahlungen kosteten die Airline rund 1 Mio. Euro. Die Forderungen der Belegschaft würden sich hingegen auf 2,5 Mio. Euro im Jahr belaufen.

Die Belegschaftsvertretung gab sich nach dem Verhandlungsabbruch kämpferisch. "Wir sind gerüstet", so Junghans. "Wir waren einer Einigung schon sehr nahe, es ging nur mehr um eine Summe die dem Viertel eines Jahreseinkommens von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber entspricht - und das bei 2.6000 Beschäftigten", empört sich der Belegschaftsvertreter. Proyer sprach von "vorauseilendem Gehorsam" gegenüber Lufthansa-Chef Mayerhuber. Die AUA ist mittlerweile eine Tochter der deutschen Lufthansa. "Es ist im höchsten Maß unanständig, Mitarbeitern, die nicht einmal 1.200 Euro verdienen, zu sagen, sie sollen die AUA sanieren", so Proyer. Daher würden am Montag - wie angekündigt - um 9:00 Uhr wieder die Betriebsversammlungen aufgenommen.

Wie lange die Versammlungen des AUA-Bodenpersonals dauern und ob sie danach in einen Warnstreik bzw. einen befristeten Streik übergehen, ließen Gewerkschaft und Betriebsrat am Donnerstag nach dem Scheitern der dritten Verhandlungsrunde offen. Laut Mayrhuber, der mit Jahresende in Pension geht, fliegt die AUA heuer fast 180.000 Euro Verlust pro Tag ein.