Erstellt am 11. Januar 2012, 13:49

Weitere Schließung von Kleinschulen?. Mit ihrem von oben verordneten Abbau von Kleinschulen bleibt die Steiermark zwar vorerst alleine, dennoch wollen auch andere Bundesländer Kleinschulen schließen.

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Schon fix sind die Auflassungen zweier Schulen in Salzburg, und zwar auf Antrag der jeweiligen Gemeinden. Möglicherweise werden auch in Kärnten, dem Burgenland und - im Zuge der dort geplanten Verwaltungsreform - in Oberösterreich kleine Schulen zumachen. Lediglich aus Tirol, Niederösterreich und Vorarlberg kommt ein klares Nein. In Wien gibt es schon jetzt keine öffentlichen Kleinschulen.

In Salzburg steht bereits fest, dass mit Ende des Schuljahres 2012/13 die Volksschulen Thalgauegg und Plainfeld (beide im Flachgau) aufgelassen werden. Heuer gibt es zwar keine Schließungen, doch erst 2011 haben die Volksschulen Embach und Saalbach sowie die Sonderschule Neukirchen (alle drei im Pinzgau) zugesperrt, und zwar ebenfalls auf Antrag der Gemeinden, die als Schulerhalter fungieren. Das Land Salzburg nehme von sich aus keine Schließungen vor, hieß es aus dem Büro der Bildungsreferentin LH Gabi Burgstaller (S). Als Grundsatz gilt, dass es in jeder Gemeinde eine Volksschule geben soll. In Gemeinden mit mehreren Volksschulen werden jedoch jene Standorte mit weniger als 20 Schülern geprüft, wobei Schwankungen bei den Schülerzahlen zu berücksichtigen sind.

Möglich sind Schließungen auch in Kärnten. "Es wird für das nächste Schuljahr Gespräche mit den betroffenen Gemeinden geben, das ist bisher immer im Konsens gelöst worden", so Bildungsreferent Uwe Scheuch (FPK). Im vergangenen Schuljahr wurden 16 Kleinstschulen geschlossen, heuer gibt es noch 28 einklassige Volksschulen, davon 23, die mit weniger als 20 Schülern als Expositur geführt werden. Sechs davon haben weniger als zehn Schüler, hier werde es die intensivsten Diskussionen über ein Zusperren geben, so Scheuch.

Im Burgenland soll im Frühjahr feststehen, ob im kommenden Schuljahr Standorte geschlossen werden. Derzeit werden dort von 198 Volksschulen laut Landesschulrat 46 einklassig geführt. Eine gesetzliche Regelung sieht vor, dass Schulen in Ortsteilen mit weniger als zehn Schülern zu schließen sind. Ausgenommen davon sind jene 29 Standorte, die unter das Minderheiten-Schulgesetz fallen. Im Burgenland wird in 27 zweisprachigen Volksschulen Kroatisch sowie an zwei Standorten Ungarisch unterrichtet. Drei zweisprachige Schulen haben weniger als zehn Schüler.

In Oberösterreich wird im Rahmen der von allen vier Landtagsparteien ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grünen abgesegneten Verwaltungsreform die Zusammenlegung von Doppelstandorten geprüft, heiß es aus dem Büro von Bildungslandesrätin Doris Hummer (V). Dabei könnten ein- bis zweiklassig geführte Schulen mit 20 bis 30 Kindern mit anderen Standorten zusammengelegt werden. Allerdings dürfe der Schulbus dorthin nicht länger als zehn Minuten unterwegs sein und es müsse genügend Raumkapazität vorhanden sein. Auch wenn dies eine Einsparung bringen könne, sei das vorrangige Ziel eine bessere Pädagogik. Einen Termin für den Abschluss der Prüfung gibt es noch nicht.

Das Land Tirol denkt hingegen nicht daran, weitere Kleinstschulen zu schließen. Wie es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Beate Palfrader (V) hieß, habe Tirol aufgrund der topographischen Situation und der damit zusammenhängenden Siedlungsstruktur ein dichtes Netz an Kleinschulen. Der Erhalt dieser Schulen sei daher "ein sehr wichtiges bildungspolitisches Anliegen". Trotzdem seien in Tirol in den letzten acht Jahren 30 Pflichtschulen stillgelegt worden, da diese entweder die Mindestgröße von drei Kindern nicht mehr erreichten oder einem entsprechenden Antrag des Schulerhalters stattgegeben worden sei. "Eine Schule im Dorf bietet mehr als nur Unterricht für die Kinder. Sie ist Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und trägt zur Attraktivität der Dörfer als Wohnort für Familien mit Kindern bei", erklärte Palfrader.

In Niederösterreich sind seitens des Landes ebenfalls keine Schließungen oder Zusammenlegungen von Kleinstschulen geplant. Da die Gemeinde als Schulerhalter im Pflichtschulbereich die Öffnung oder Schließung der Einrichtungen beantragen müsste, könnte man auch nur in Absprache mit den Kommunen handeln, wurde im Büro von Landesrat Karl Wilfing (V) auf Anfrage der APA betont. Den Weg der Schließungen möchte man trotz Einsparungsmöglichkeiten nicht beschreiten, weil man die Bildungs- und Kultureinrichtungen unbedingt in den Dörfern erhalten wolle, erklärte Wilfing: "Stirbt die Schule, stirbt das Dorf". Außerdem sei man der Ansicht, dass anstelle der unter zehnjährigen Kinder besser die Lehrer pendeln sollten.

Auch in Vorarlberg gibt es keine Pläne zur Schließung von Kleinschulen. "Ganz im Gegenteil, unser Credo lautet, dass wir Kleinstschulen solange wie nur möglich erhalten wollen", betonte der zuständige Landesrat Siegi Stemer (V). Stemer begründete diese Haltung damit, dass "eine Schule in einem Dorf ein ganz wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und weit mehr als nur Bildungseinrichtung ist". Vorarlberg lasse sich dieses Bekenntnis auch einiges kosten, verwies Stemer auf einen mit sechs Millionen Euro gefüllten Topf des Landes, aus dem solche Schulen gefördert, aber etwa auch sonderpädagogische Maßnahmen bezahlt werden, die über das Engagement des Bundes hinausgehen.