Erstellt am 08. August 2012, 00:00

Werbung nicht erlaubt!. ZAHNARZT-MARKETING / Ein ungarischer Dentist wirbt mit einem Bus im Nordburgenland. Die Zahnärztekammer wehrt sich.

Dieses Auto einer ungarischen Dentalklinik stand eine Woche in Purbach nahe der Kellergasse und lud vorbeigehende Passanten zu einem Informationsgespräch ein. ZVG  |  NOEN
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VON DORIS SEEBACHER

Seit einigen Tagen sorgt ein Kleinbus mit bunten Werbeaufklebern für Zahnbehandlungen in Ungarn bei den heimischen Zahnärzten für Unmut. „Gesehen wurde der Bus bereits in Purbach und in Donnerskirchen“, so Herbert Haider, Präsident der burgenländischen Zahnärztekammer. Unmut vor allem deshalb, weil es auch den heimischen Zahnärzten verboten ist, auf diese Art zu werben. „Die Gesundheit ist kein Jahrmarkt“, so Haider. Und: „Wir bemühen uns, eine einstweilige Verfügung zu erreichen, was jedoch eine Weile dauern kann.“

Was aber ist nun so schlimm, zum Zahnarzt nach Ungarn zu gehen? „Laut Untersuchungen, die in Tschechien, in der Slowakei, in Slowenien und in Ungarn durchgeführt wurden, sind 85 Prozent mangelhaft bis gesundheitsgefährdend“, so Haider.

Ungarische Zähne -  heimischer Zahnarzt?

Wie reagieren nun unsere Zahnärzte, wenn ein Patient mit Beschwerden, hervorgerufen durch ungarische Behandlungen, in die Praxis kommt? „Natürlich darf er zu mir kommen“, so Haider, weiß aber von Kollegen, die solche Patienten dann „rausschmeißen“.

Weiteres Problem der ungarischen Zahnkliniken: „Ein Patient, der eigentlich nur zwei bis drei Kronen bräuchte, kommt mit acht Kronen zurück“, erklärt Haider auch die Geldgier der ungarischen Zahnärzte. Denn: „Die Ordinationen werden dort überwiegend von Finanzinvestoren geführt, welche Zahnärzte anstellen, die natürlich gewinnorientiert arbeiten“, erklärt der Zahnarzt.

Immer mehr Zahnärzte  machen weniger Gewinn

Und wie leiden die heimischen Zahnärzte nun unter der ständig wachsenden Konkurrenz aus Ungarn? Genaue Zahlen dazu gäbe es nicht, so Haider. Nur so viel: beim Kammerbeitrag, der bei den Zahnärzten einkommensabhängig ist, suchen bereits ein Drittel aller Zahnärzte um Herabsetzung an.