Erstellt am 22. März 2012, 13:21

Wiener "Schulschwänz-Beauftragter" vorgestellt. Besonders großer Medienandrang hat am Donnerstag im Wiener Stadtschulrat bei der Vorstellung von Horst Tschaikner, Lehrer und Mitarbeiter des Hauses, als städtischem "Schulschwänz-Beauftragten" geherrscht.

"Das muss mit Ihrer aller Biografie zu tun haben, dass so viele Journalisten gekommen sind", bemerkte Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl, die Schulschwänzen "uncool" machen will.

Brandsteidl ortet die größte Gruppe an "klassischen Schulschwänzern" in Oberstufenklassen - bei Jugendlichen ab 14, "die null Bock auf Schule haben" und sich daher lieber einem Kontrastprogramm wie "Kaffeehaussitzen" widmen. Ein bis zwei Schüler pro Klasse und damit 4.000 bis 5.000 Jugendliche seien betroffen und schwieriger zu behandeln als die verhältnismäßig kleinen Gruppen von Schwänzern in Pflichtschulen (schätzungsweise 200 bis 300) bzw. aus Schulangst Fernbleibenden.

Für alle dürfe es "kein Wegschauen mehr" geben, so Brandsteidl, da es "hier auch um Lebenschance geht". Viele würden den Absprung nicht schaffen und so oft fehlen, dass sie aufgrund des großen Rückstands die Klasse nicht beenden können und im weiteren Verlauf die Schule abbrechen.

Ein "Migrantenthema" sei das Schulschwänzen - anders als von Integrationsstaatssekretär Kurz in den vergangenen Wochen kommuniziert - laut Brandsteidl nicht. Auch von einer von Kurz geforderten Erhöhung des derzeitigen Strafgeldes von 220 Euro hält sie nichts.

Eine der Aufgaben Tschaikners wird es sein, Daten zu sammeln. Noch in diesem Schuljahr will der langjährige Haupt- und Berufsschullehrer alle Schulpartner an einen runden Tisch bringen und "kollektiv überlegen, was man tun kann". In weiterer Folge sollen Best-Practice-Modelle aus dem Ausland gesammelt und ein klarer Leitfaden erstellt werden, der sowohl die Rechtsgrundlagen klärt als auch aufzeigt, wie gefährdete Schüler erkannt werden können. "Derzeit wird das Thema Schulschwänzen an einzelnen Schulen sehr unterschiedlich angegangen", so Tschaikner, "hier besteht teilweise Unsicherheit und Uneinheitlichkeit.""Lehrerkollegen wünschen sich schon lange einen übergeordneten Verantwortlichen" - und genau den sollen sie in Tschaikner finden.