Erstellt am 24. August 2011, 11:16

Wifo sieht Ausbildungsdefizite in Wien. Wien hat ein Problem: Die Bundeshauptstadt könnte schon bald deutliche Verluste in Sachen Wettbewerbsfähigkeit in Kauf nehmen müssen. Grund sind Ausbildungsdefizite, vor allem bei den Jugendlichen. Das besagt eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo). Demnach ist der Anteil der Pflichtschulabgänger, die danach keine Ausbildung machen, alarmierend hoch.

Wien hat in Sachen Arbeitskräfte bald keine Standortvorteile mehr: "Es gibt ein Defizit bei den formalen Qualifikationen", sagte Studien-Koordinator Peter Mayerhofer. Der Anteil jener, die nach der Pflichtschule nicht mehr ausgebildet werden bzw. wurden ("early school leavers"), liegt in Wien bei steigender Tendenz mittlerweile höher als im Durchschnitt der EU-Großstädte und der EU-Regionen insgesamt.

Wobei die Wiener keine Ausbildungsmuffel sind. Jedoch: "Es sind die Ausgebildeten, die sich weiterbilden", so Mayerhofer. Kopfzerbrechen bereitet den Experten hingegen die wachsende Zahl an Schulabgängern ohne weitere Ausbildung, die vielleicht nicht einmal einen Schulabschluss haben - sondern nur die erforderliche Anzahl der Schuljahre.

Dieser Trend sei, so betonte Mayerhofer, vor allem im Hinblick auf den derzeitigen Strukturwandel problematisch. Dienstleistungen bzw. die Bereiche Technologie oder Wissenschaft würden immer wichtiger. Nur 26,5 Prozent der Wiener Erwerbstätigen verfügen aber beispielsweise über einen Hochschulabschluss, der Durchschnitt der insgesamt 65 untersuchten europäischen Großstadtregionen beträgt hier 32,6 Prozent - in Städten wie Brüssel, London oder Paris liegt der Wert jenseits der 40 Prozent.

Die Stadt will nun gegensteuern: Vizebürgermeisterin Renate Brauner kündigte einen eigenen "Qualifikationsplan" an. Dieser soll unter anderem ein höheres Bewusstsein für das Erlangen von Qualifikationen schaffen. Es sollen aber auch eigene Fortbildungs-Angebote geschaffen werden.