Erstellt am 26. Juni 2012, 13:06

Wissenschaftsrat: FH ausbauen, Unis schrumpfen. Der Wissenschaftsrat empfiehlt einen starken Ausbau des Fachhochschulsektors bei gleichzeitigem Rückbau der Studienplätze an den Universitäten. Man wolle eine "Umgewichtung vom derzeit wildwuchernden Universitätsbereich zum sehr restriktiven, beschränkten Fachhochschulbereich", betonte Ratsmitglied Manfred Prisching bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Kleiner Haken: "Solange ich keinerlei Steuerungsmöglichkeit an den Unis habe, kann ich mir alle Projektionen an die Wand nageln." Der Rat schlägt daher für die Unis die gleichen Zugangsregeln wie an den Fachhochschulen vor, also eine Beschränkung der Studienplätze.

Ausgangspunkt für die vorgeschlagene "Gewichtsverlagerung" bildete unter anderem der Hochschulbericht 2011. Dessen Projektionen sehen etwa eine starke Expansion des Uni-Sektors auf rund 320.000 Studenten (derzeit rund 290.000) im Jahr 2030 vor, während der Fachhochschulsektor nur moderat auf rund 45.000 Studenten (derzeit rund 40.000) anwachsen soll.

Von den derzeit 290.000 Uni-Studenten würden rund 90.000 kaum oder gar nicht prüfungsaktiv sein. Bei einer Schrumpfung auf 200.000 Uni-Studenten sei der Uni-Sektor damit ohnehin noch viel dichter als in der Schweiz, die derzeit massiv in den FH-Ausbau investiere. Die FH-Plätze will der Rat auf mindestens 80.000 ausbauen, im Idealfall auf 120.000 im Jahr 2030. Dies würde bei gleichbleibendem Bundeszuschuss pro Studienplatz von rund 7.000 Euro ca. 600 Mio. Euro jährlich kosten.

Auch für die Studenten hätte dies Vorteile, meinte Prisching. Viele wären an einer klaren, akademisch strukturierten Berufsvorbereitung interessiert, diese Leute müsse man nicht mit einer Vorbereitung auf die Wissenschaft "traktieren". Der FH-Bereich sei derzeit "permanent überbucht", vor allem in den Gesundheitsfächern: "Wenn Sie da 20.000 Plätze dazugeben, sind die auch voll."

Der Rats-Vorsitzende Jürgen Mittelstraß kann sich auch vorstellen, dass Teile einer Uni-Ausbildung an FH stattfinden. Für die Pädagogischen Hochschulen sieht der Rat keine große Zukunft.