Erstellt am 14. Juni 2011, 14:45

Wissensdefizit der Österreicher beim Thema Asyl. Ein großes Wissensdefizit der Österreicher ortet das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR beim Thema Asyl. Fast die Hälfte nehme fälschlicherweise an, dass Asylsuchende einen Anspruch auf Sozialhilfe haben, ein Drittel glaube an einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt, erklärte Christoph Pinter, Leiter der UNHCR-Rechtsabteilung in Österreich.

"Aus diesem Unwissen entstehen offensichtlich sehr viele Sorgen und Ängste." 59 Prozent halten Asylsuchende für gewaltbereiter, 51 Prozent für krimineller als andere Bevölkerungsgruppen. Warum jemand in Österreich Asyl sucht, wird vom Großteil falsch eingeschätzt: Echte Gründe wie politische oder religiöse Verfolgung und Menschenrechtsverstöße wurden mit einem Anteil von je 52, 34 und 39 Prozent weniger oder gleich häufig genannt wie die Motive Hoffnung auf ein besseres Leben (72 Prozent), Familiennachzug (45 Prozent), Arbeitssuche (44 Prozent) und Ausnutzung des Staates (34 Prozent). 24 Prozent schätzten richtig ein, dass Asylsuchenden ein Taggeld von zehn bis 20 Euro zusteht.

Nicht einmal ein Drittel kennt den Unterschied zwischen Asylsuchenden und Flüchtlingen. Fälschlicherweise glaubt ein Drittel der Befragten daher auch, selbst Asylwerber zu kennen - laut Pinter bei rund 22.000 Personen in Österreich unmöglich. Ein Fünftel will auf keinen Fall eine Bekanntschaft mit ihnen, 42 Prozent sind eher dagegen. Ein Punkt, bei dem das UNHCR mit einer Informationskampagne, TV-Spots und Plakaten einhaken will: In der Umfrage äußerten sich jene Teilnehmer positiver oder neutraler, die schon persönliche Erfahrungen mit Asylwerbern gemacht haben. Über 50-Jährige haben generell ein negativeres Bild als der Durchschnitt, positiver fielen die Antworten bei besser Gebildeten und Menschen in den westlichen Bundesländern aus.

"Die Bevölkerung hat den Eindruck, dass es in Österreich Tausende gibt, die herumspazieren, wunderbar versorgt sind und alles bekommen, was sie brauchen", kritisierte Volksanwältin Terezija Stoisits. Dabei müssten manche Betroffene jahrelang ohne Zugang zum Arbeitsmarkt leben und könnten bei laufendem Verfahren auch in kein anderes Land gehen. "Die Zeiten sind endgültig vorbei, dass Asylwerber lange Verfahren wollen", so Stoisits.