Erstellt am 26. Januar 2015, 15:32

Workshops zur Extremismus-Prävention an Schulen. Ab sofort werden zusätzliche 300 Workshops zum Thema Extremismus-Prävention an Schulen angeboten.

Das gab Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Montag nach einem Expertengespräch zum Thema "Bildung gegen Extremismus" bekannt. Um dem für Schulen neuen Phänomen der Radikalisierung besser begegnen zu können, wünscht sich die Ministerin auch den Ausbau der Schulpsychologie.

An Schulen sei "kein Platz für destruktive Ideologien", daher brauche es neben Sofortmaßnahmen auch langfristige Strategien und mehrere Möglichkeiten zur Reaktion auf verschiedenen Ebenen, wenn Jugendliche in Richtung religiös motivierten Extremismus abzudriften drohen, so Heinisch-Hosek vor Journalisten.

Kurze Reaktionszeiten notwendig

Wenn konkrete Befürchtungen vorliegen, brauche es kurze Reaktionszeiten. Langfristig müsse man Präventionsmaßnahmen setzen, so die Ministerin nach der Gesprächsrunde mit 70 Experten, die auch als Start für eine Plattform gedacht ist, um die landesweite Vernetzung zwischen in dem Bereich arbeitenden Personen zu fördern.

Der finanzielle Spielraum für Akutmaßnahmen sei im Ministerium angesichts des laut Heinisch-Hosek "angespannten Budgets" jedenfalls gering: Die für die zusätzlichen 300 Workshops benötigten Mittel in der Höhe von ungefähr 150.000 Euro kommen aus Förderungen, die noch nicht ausgezahlt wurden. Durchgeführt werden die Workshops von Experten von NGOs, wie dem Verein "Zara".

"De-Radikalierungs-Hotline" wird fortgesetzt

Der Ministerin schwebt auch eine Stärkung der Schulpsychologie vor. Eine Aufstockung des Personals von derzeit etwa 180 um zusätzliche 100 Personen wäre sinnvoll. Das würde laut Heinisch-Hosek ungefähr fünf bis sechs Millionen Euro kosten. In Kooperation mit dem Innenministerium werden außerdem rund 50 Präventionsbeamte eng mit den Pädagogischen Hochschulen (PH) zusammen arbeiten. Bereits bestehende Maßnahmen, wie die "De-Radikalierungs-Hotline" oder die Schulinfo-Hotline würden fortgeführt, hieß es.

"Schulen können nicht alles übernehmen"

Die Schule sei ein geeigneter Orte, um mit Jugendlichen in Verbindung zu treten, die potenziell gefährdet sind. Sie könne aber nicht alles übernehmen, gab die Sozialwissenschafterin und Obfrau des Vereins "Frauen ohne Grenzen", Edit Schlaffer, zu bedenken und forderte bei Anlassfällen eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten inklusive der Eltern ein. Vor dem Hintegrund des Auftretens dieses Phänomens müssten Bildungsinstitutionen jedenfalls langfristig "in das Sicherheitsparadigma integriert werden".

Auch der Soziologe Kenan Güngör wies darauf hin, dass es sich hier um ein relativ neues Problem handle. Momentan gehe es vor allem darum, Strategien zu entwickeln und zu erproben. Wenn die Beziehungsqualität gut ist, könne in der Schule vermutlich etwas bewegt werden. Dazu brauche es vor allem in Ballungsräumen allerdings zumindest einzelne, gut ausgebildete Personen an den Schulstandorten. Wichtig sei, aufgrund der momentanen Brisanz des Themas nicht vorschnell Schüler als potenzielle Jihadisten auszumachen.