Erstellt am 26. Mai 2011, 13:38

Zehn Hausdurchsuchungen in Causa Grasser. Die Staatsanwaltschaft Wien führt seit den Morgenstunden im Finanzstrafverfahren gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser an insgesamt zehn Privat- und Firmenadressen in Wien, Kärnten und Tirol Hausdurchsuchungen durch.

Die Staatsanwaltschaft Wien führt seit den Morgenstunden im Finanzstrafverfahren gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser an insgesamt zehn Privat- und Firmenadressen in Wien, Kärnten und Tirol Hausdurchsuchungen durch. An den gerichtlich bewilligten Durchsuchungen seien mehr als 60 Beamte der Steuerfahndung und des Bundeskriminalamtes beteiligt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Razzien sorgen für großes mediales Interesse. Am Standort der Grasser-Firma Valuecreation GmbH in Wien versammelten sich mehrere Kamerateams und ein gutes Dutzend Journalisten. Hinter verschlossenen Türen dürften Finanzbeamte gerade die Räumlichkeiten Grassers filzen.

Mit der Buwog-Affäre haben die Razzien nach Angaben der Staatsanwaltschaft nichts zu tun. Vielmehr geht es um ein Finanzstrafverfahren, das der frühere Finanzminister am Hals hat. Grasser steht im Verdacht, seit 2003 Abgaben hinterzogen zu haben - unter Beteiligung seines Steuerberaters. Bisher hat Grasser derartige Vorwürfe stets bestritten.

Grasser soll ihm zugeflossene Honorarzahlungen über Gesellschaften in Liechtenstein, den British Virgin Islands und Zypern geleitet haben, um sie der österreichischen Besteuerung zu entziehen. Nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden war dem Finanzamt dabei nur ein Teil der gewählten Stiftungs- und Gesellschaftskonstruktion offengelegt worden, um eine Bestätigung steuerlicher Unbedenklichkeit zu erwirken.

Grassers Anwalt Manfred Ainedter findet die Razzien an zehn Firmen- und Privatadressen des ehemaligen Finanzministers "ebenso überraschend wie unangebracht", sagte er der APA am Donnerstagnachmittag. "Mein Mandant hat stets alle Unterlagen offengelegt". Er habe lediglich bei seiner letzten Einvernahme im Finanzstrafverfahren am 6. Mai die Aussage verweigert - "mit dem Hinweis, dass alles amtsmissbräuchlich in den Medien erscheint und er alles offengelegt hat."

SPÖ, BZÖ und Grüne begrüßen die Razzien an zehn Firmen- und Privatadressen des ehemaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser. "Es ist unerträglich, dass ständig neue Gerüchte über Unregelmäßigkeiten in den Medien kursieren, aber die Justiz anscheinend bis heute nicht in der Lage war, endlich die Fakten auf den Tisch zu legen", so BZÖ-Generalsekretär Ebner.

Auch die Grüne Abgeordnete Gabriela Moser bezeichnete die Razzien gegenüber der APA als "längst notwendigen Schritt", SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter sprach von einem "positiven Zeichen".