Erstellt am 13. Mai 2015, 15:24

Matura: Schüler erleichtert. Erleichtert zeigte sich Bundesschulsprecher Lukas Faymann in einer ersten Bilanz der am Mittwoch mit den Klausuren in Griechisch und Latein beendeten ersten österreichweiten Zentralmatura an den AHS.

Gewählt: Lukas Faymann ist der neue Bundesschulsprecher.  |  NOEN, zVg
"Ich bin froh, dass der schriftliche Teil halbwegs gut und ohne Probleme abgelaufen ist und eine faire Matura geboten wurde", so Faymann. Verbesserungsbedarf sieht er noch im Fach Deutsch.

Dort seien die Aufgabenstellungen sehr eng gewesen, meinte Faymann. Wenn man sämtliche formalen Vorgaben eingehalten habe, wären aufgrund der Wortzahlbeschränkung "eigene kreative Ansätze kaum möglich gewesen". Das treffe natürlich vor allem gute Schüler.

Nicht ganz trennen will Faymann die Zentralmatura von den anderen beiden Reifeprüfungsteilen: Einen wirklich "groben Schnitzer" habe es mit den Problemen beim Hochladen der Vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) gegeben. Wie sich die Kürzung der Vorbereitungsstunden für die noch ausstehende mündliche Matura auswirke, wisse man wiederum noch nicht. Aufgrund der geänderten Erstellung der Aufgaben dafür sei es durchaus möglich, dass es statt weniger mehr Vorbereitungsstunden brauche.

Lehrervertreter: "Reifeprüfungszeugnis wird weniger wert"

Gemischt sieht der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft an den AHS, Eckehard Quin (FCG), die Zentralmatura-Premiere. "Operativ ist sie sauber über die Bühne gegangen", so Quin zur APA. "Meines Wissens hat es keine größeren Schwierigkeiten gegeben." Man habe sich hier offenbar große Mühe gegeben.

"Der andere Bereich, der auch zurecht immer wieder kritisiert wurde und wird, ist das grundlegende Konzept dahinter", betonte der Lehrervertreter. Aufgrund der unterschiedlichen Leistungsstärke der Schüler müsse das Niveau "notgedrungen tief angesetzt werden": "Man kann ja nicht ganze Klassen gesammelt scheitern lassen."

Leistungsniveau an Schulen unterschiedlich

Das Leistungsniveau an den einzelnen Schulen sei in Österreich unterschiedlich und hänge von Faktoren wie der Bildungsaffinität der Eltern oder dem sozioökonomischen Hintergrund der Familien ab, so Quin. Mittelfristig würden sich die Schulen daher darauf konzentrieren, was für die positive Absolvierung der Matura ausreichend sei. "Deshalb wird in Summe das Niveau sinken. Wahrscheinlich erreichen sogar mehr Leute das Mindestniveau, aber weniger kommen weit darüber hinaus."

"Im Schnitt ist das Niveau für ein 'Genügend' sicher gesunken", meinte Quin. "Ich glaube aber nicht, dass es mehr 'Sehr Gut' geben wird, weil dafür muss man eine Menge leisten." Generelle Entwicklung für den Gewerkschafter: "In Summe wird damit natürlich das Reifeprüfungszeugnis weniger wert sein."

Positive Matura-Bilanz von Heinisch-Hosek

Zufrieden zeigte sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in einer ersten Bilanz der am Mittwoch beendeten ersten österreichweiten Zentralmatura-Klausuren an den AHS: "Die neue Matura ist gut gelandet, die bisherigen Rückmeldungen zeigen ein durchwegs erfreuliches Stimmungsbild", so die Ministerin. Auch die Schülervertreter zeigten sich erleichtert.

"Es hat sich gezeigt, dass die Schulen auf die neue Matura gut vorbereitet sind", meinte die Ministerin. "Die organisatorische Abwicklung verlief gut, auch mit den Aufgabenstellung bei den Klausuren waren die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte zufrieden." Man sei sich des großen öffentlichen Interesses bewusst und bemüht, erste Ergebnisse bald bekannt zugeben. Gleichzeitig müssten aber die organisatorischen Abläufe an den Schulen berücksichtigt werden - von der Korrektur der Arbeiten über das Erstellen von Beurteilungsvorschlägen, die Begutachtung durch die Vorsitzenden bis hin zum Beschluss der Noten durch die Kommissionen.

"Zwei Drittel der Wegstrecke gut bewältigt"

Jürgen Horschinegg, Leiter des für die Zentralmatura zuständigen Bifie-Standorts Wien, sah "aus unserer Sicht zwei Drittel der Wegstrecke gut bewältigt". Das letzte Drittel bestehe in der Übermittlung der bereits fertig erstellten Kompensationsprüfungen für jene Schüler, die die Zentralmatura nicht positiv absolviert haben. Diese finden dann am 1. und 2. Juni statt.

Logistisch und organisatorisch sei man mit dem Ablauf zufrieden, so Horschinegg. Man habe von den Schulen kaum Rückmeldungen über Probleme bekommen. "Wir werden jetzt noch Diskussionen über die inhaltlichen Komponenten haben. Das kennen wir auch aus anderen Ländern, dass öffentlich und in den Fachcommunities die Aufgabenstellungen diskutiert werden. Das ist ein normaler Prozess und führt auch zur Weiterentwicklung der Reifeprüfung - es ist auch schön, wenn die Leute einmal über Bildungsinhalte diskutieren."

Die Entwicklung der Aufgaben sei auch nie wirklich abgeschlossen, meinte Horschinegg. "Wir sind immer am Nachjustieren." Schon jetzt arbeite man parallel an der Erstellung der Aufgaben für den nächsten Matura-Haupttermin im Frühjahr 2016. Mit der vollständigen Einbeziehung der berufsbildenden höheren Schulen (BHS) sei der logistische Aufwand dann noch größer: Insgesamt müssen dann Aufgaben für rund 43.000 Maturanten konzipiert und ausgeliefert werden.