Erstellt am 29. November 2012, 13:16

Zentralmatura: St. Paul soll "Eisbrecher" werden. Am Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal (Kärnten) wird im Frühjahr 2014 als erster Schule die komplette neue Reifeprüfung angeboten.

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Das hat der aus Eltern, Lehrern und Schülern bestehende Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) beschlossen - voraussichtlich 28 Schüler der derzeitigen 7A werden vorwissenschaftliche Arbeit und drei bzw. vier zentral vorgegebene schriftliche Klausuren schreiben sowie zwei bzw. drei mündliche Prüfungen ablegen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstag von einem "Tag der Freude" - sie ist nun optimistisch , dass sich nach diesem "Eisbrecher" noch andere Schulen anschließen.

Ursprünglich hätten 2014 alle AHS (und ab 2015 alle berufsbildenden höheren Schulen) verpflichtend die Zentralmatura absolvieren sollen. Nach Protesten von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern wurde der Start aber um jeweils ein Jahr verschoben - einzelne Standorte können aber auf freiwilliger Basis die standardisierten Klausuren zum ursprünglichen Termin anbieten, wenn jeweils zwei Drittel der Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter im SGA zustimmen.

Wer noch 2014 teilnehmen will, muss dies bis Ende Jänner 2013 im SGA beschließen und bis Ende Februar dem Ministerium bekannt geben. Den neuen verpflichtenden Starttermin 2015 (AHS) bzw. 2016 (BHS) nannte Schmied "unumstößlich".

Der Direktor des katholischen Privatgymnasiums, Pater Thomas Petutschnig, begrüßte die Zentralmatura, "weil wir wirklich eine Vergleichbarkeit bekommen". Er wird auch gleich persönlich beteiligt sein, zufällig unterrichte er die betroffene Klasse auch im Fach Deutsch. Laut Schulsprecherin Julia Aichholzer - auch sie wird 2014 an der Zentralmatura teilnehmen - wisse ein Großteil der Schüler bereits, zu welchen Themen sie die vorwissenschaftliche Arbeit absolvieren wollen. Auch an Material zu den Klausuren fehle es nicht.

Das Stiftsgymnasium erhält mit dem Leiter des Wiener Zentrums des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Peter Simon, auch einen eigenen "Maturacoach". Die Verschiebung der verpflichtenden Einführung der neuen Reifeprüfung um ein Jahr habe die Folge gehabt, dass man nun jene Schulen, die als Schulversuch Teile der neuen Matura absolvieren wollen, speziell auf die Reifeprüfung vorbereite. Da vorerst nur sehr wenige Schulen ein umfangreiches Angebot gewählt haben, könne man diese nun ganz besonders betreuen.

Nach der Verschiebung der Zentralmatura wurden die Schulversuche dazu ausgedehnt. So können etwa auch nur einzelne schriftliche Klausuren mit zentral vorgegebenen Aufgaben absolviert werden. Bei den Sprachen ist dies bereits fast flächendeckend der Fall: An mehr als 95 Prozent der AHS-Standorte wird zumindest eine der Matura-Klausuren nach dem Muster der neuen Reifeprüfung absolviert. Nach derzeitigem Stand bieten im Schuljahr 2013/14 306 Standorte im Schulversuch die Zentralmatura im Fach Englisch an, 177 im Fach Französisch, 71 im Fach Latein, 58 im Fach Deutsch, 54 im Fach Italienisch, 49 im Fach Spanisch und 32 im Fach Mathematik.