Erstellt am 25. April 2013, 12:10

Zivildienst attraktivieren. Um den Zivildienst attraktiver zu machen, drehen Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner an mehreren Schrauben.

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Unter anderem soll es nicht nur bei der Rettung die Möglichkeit zur Ausbildung im Zivildienst geben, eine Maßnahme für die bis zu fünf Mio. Euro in die Hand genommen werden. Auch soll das Freiwillige Sozialjahr für Rettungsdienste geöffnet werden, erklärten die beiden Regierungsmitglieder am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

"Wir haben die Ärmel aufgekrempelt", und Verbesserungen entwickelt, erklärte Mikl-Leitner. Herausgekommen sei eine "Win Win"-Situation für alle Betroffenen - für die Zivildiener, die Einsatzorganisationen sowie die Menschen, die Hilfe benötigen, so die Ministerin weiter.

Derzeit erhalten Zivildiener nur im Bereich des Rettungsdienstes eine volle Ausbildung zum Rettungssanitäter. Mit dem Ausbildungsbeitrag (maximal 70 Prozent der Ausbildungskosten, gedeckelt mit 1.700 Euro) sollen auch Ausbildungen im Behinderten-und Gesundheitsbereich unterstützt werden. Gefördert werden etwa Teile von Ausbildungen, die bundes- oder landesgesetzlich geregelt sind wie etwa Kindergartenhelfer oder eine Heimhelferausbildung, aber "keine selbstgestrickten Kurse", wie Hundstorfer betonte. Diese Module können auf die weitere Ausbildung angerechnet werden. Ziel ist es auch, Männer für soziale Berufe zu gewinnen.

Weiters sollen Zivildiener entsprechend ihren bisherigen Erfahrungen und Qualifikationen eingesetzt werden. Die im Zivildienst erlernten Fähigkeiten und Kenntnisse werden künftig von den Organisationen in einer "Kompetenzbilanz" belegt. Um die Qualität zu sichern und den Zivildienern auf Augenhöhe zu begegnen, besteht auch die Möglichkeit, die Organisation nach Absolvierung zu bewerten. Geplant ist zudem eine Verwaltungsvereinfachung, so soll eine Zuweisung bis zu drei Tage vor Dienstantritt möglich sein. Bei finanziellen Problem der Organisation soll der Staat die Grundvergütung und auch das Verpflegungsgeld übernehmen.

Eine Aufwertung gibt es auch beim Freiwilligen sozialen Jahr: zum einen soll künftig das zwölfmonatige Sozialjahr vollständig auf den ordentlichen Zivildienst angerechnet werden. Mit der hierfür notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament rechnen die beiden Regierungsmitglieder. Zum anderen wird das Freiwillige Sozialjahr für Rettungsdienste geöffnet, wodurch Frauen ihr Sozialjahr auch bei der Rettung absolvieren können. Weiterhin "keinen Konsens" gebe es hingegen bei der Öffnung des Zivildienstes für Frauen, räumte Mikl-Leitner ein.

"Das Maßnahmenpaket ist geschnürt" und gehe nun in Begutachtung, so die Ministerin. Über den Sommer werden die Verordnungen festgeschrieben und per 1. Oktober soll es in Umsetzung gehen, erklärte sie weiters. Die Attraktivierung sei ein "Meilenstein". Die Einsatzorganisationen seien bei der Erstellung dabei gewesen und tragen das Paket mit: "Wir haben viel Lob erhalten."

Erstmals sei das Sozialressort bei der Ausbildungsförderung auch finanziell beteiligt, und dies "gerne", so Hundstorfer. Der Verteilungsschlüssel beträgt 50:50. Derzeit seien rund 6.100 Zivildiener im Rettungsdienst tätig, zusätzlich könnten dann 5.400 Personen die Möglichkeit zur Ausbildungsförderung nutzen. Maximal müssten fünf Mio. Euro investiert werden.

Keine Änderung gibt es bei der Dauer des Zivildienstes, es bleibt bei sechs Monaten Wehrdienst oder neun Monaten Zivildienst. Auch das Verpflegungsgeld bleibe "wie gehabt", so der Minister.

Freude beim Österreichischen Roten Kreuz
Als „positiv“ bezeichnet Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, das präsentierte Maßnahmenpaket. „Dass man künftig Zivildiener dort einsetzen kann, wo ihre Stärken, Interessen und Kompetenzen liegen, ist sehr begrüßenswert“, sagt Kerschbaum. „Das nützt den Zivildienern selbst, den Menschen, die auf ihr Engagement angewiesen sind und schlussendlich unserer Gesellschaft.“
 
Die Möglichkeit, das Freiwillige Soziale Jahr auch im Rettungsdienst leisten zu können, sei ebenfalls begrüßenswert, da dieses auch Frauen offen steht. „Bereits jetzt haben wir schon viele Frauen unter den Freiwilligen im Rettungsdienst“, sagt Kerschbaum. „Dieses Engagement weiter zu fördern, halte ich für einen wichtigen und richtigen Schritt.“ Die Details wie Kosten müsse man sich allerdings noch ansehen. Positiv sei ebenfalls die geplante Evaluierung der Maßnahmen in vier Jahren zu bewerten. „Wir wünschen uns, dass die gute interministerielle Zusammenarbeit und eine verstärkte Einbindung der Trägerorganisationen auch in Zukunft fortgesetzt werden“, so Kerschbaum.