Erstellt am 26. Januar 2011, 00:00

Zu wenig Lohn gezahlt. VORSATZ? / Burgenländische Firmen entlohnten ihre Arbeitnehmer unter dem Kollektivvertrag und müssen nun nachzahlen.

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VON DORIS SEEBACHER

Die Burgenländische Gebietskrankenkasse (BGKK) überprüft jährlich etwa 1000 Betriebe, ob diese ihre Arbeitnehmer auch korrekt nach dem Kollektivvertrag bezahlen. Denn tun die Firmen das nicht, entgeht der BGKK viel Geld durch zu geringe Sozialversicherungsbeiträge. Konkret waren es im Vorjahr 6,5 Millionen Euro. Diese werden jetzt natürlich von der BGKK zurückgefordert. Dass die Betriebe vorsätzlich zu wenig zahlen, das möchte Christian Moder, Direktor der BGKK, gar nicht behaupten. „Viele übersehen, dass einem Arbeitnehmer ein Gehaltsvorsprung zustehen würde“, nennt Moder ein Beispiel für zu geringe Bezahlung.

Das Geld wird dann natürlich von den Betrieben eingefordert. Entweder auf einmal oder in Form von Ratenzahlungen. „Wir wollen die Betriebe doch nicht umbringen, aber erreichen, dass sie ihre Meldungen korrekt machen“, erklärt Moder.

AK: „Firmen zahlen oft  bewusst zu wenig“

Aber nicht nur die Krankenkasse, auch der Arbeitnehmer hat ein Anrecht darauf, dass ihm die Differenz zum korrekten Lohn im Nachhinein ausbezahlt wird. Sehr viele Anfragen gibt es hierzu bei der Arbeiterkammer (AK). Dort ist die Tatsache, dass Firmen bewusst und jahrelang unter dem Kollektivvertrag bezahlen, schon lange bekannt. „Leider gibt es auch viele Arbeitnehmer, die wissen, dass sie falsch entlohnt werden, aber aus Sorge um den Job nichts nachfordern“, vermutet Doris Graser-Kern, Arbeitsrechtsexpertin der AK.

Erleichterung erhofft man sich vom neuen Lohn- und Sozialdumpinggesetz, das demnächst beschlossen wird. „Dann können Betriebe, die ihre Angestellten unter dem Kollektivvertrag bezahlen, auch dafür bestraft werden“, so Graser-Kern.

Im Bau- und Transportgewerbe sowie in der Gastronomie werden Arbeitnehmer im Burgenland oft unter dem Kollektivvertrag bezahlt.

WALDHÄUSL