Erstellt am 21. Dezember 2013, 23:59

„2013 war schwierig“. Interview / Wirtschaftskammer-Präsident Peter Nemeth im Gespräch über Förderpolitik, Fachkräftemangel und seine Wünsche an die heimische Poltitik.

 |  NOEN, @HAFNER GRGOR
Von Bettina Eder

BVZ: Wie sieht wenige Tage vor dem Jahreswechsel Ihr Fazit zum Jahr 2013 aus?
WK-Präsident Peter Nemeth: 2013 war ein schwieriges Jahr. Das Wirtschaftswachstum lag bei bescheidenen 0,4 Prozent und damit noch schlechter als 2012. Österreichweit geht 2013 als Rekordpleitenjahr in die Geschichte ein. Es gab es 7,7 Milliarden Euro an Unternehmensverbindlichkeiten (4,1 Milliarden davon Alpine Bau, Anm.). Das Burgenland hat sich erfreulicherweise gegen den Trend entwickelt. Bei uns gab es mit zirka 150 Insolvenzen weniger als im Jahr 2012, also ein Minus von etwa 20 Prozent. Aber in Summe ist es der burgenländischen Wirtschaft – entgegen dem Österreich-Trend – besser gegangen.

Wirtschaftsvertreter warnen vor einem Fachkräftemangel, gleichzeitig steigen die Arbeitslosenzahlen im Burgenland. Wie passt das zusammen?
Das hat viel mit der „importierten Arbeitslosigkeit“ aus Wien und angrenzenden Bundesländern zu tun. Die rund 40.000 Wien-Pendler sind in der Beschäftigtenstatistik in Wien, und wenn diese Menschen arbeitslos werden, schlägt sich das in der burgenländischen Arbeitslosenstatistik zu Buche. Wir müssen aber auch eine strukturelle Arbeitslosigkeit zur Kenntnis nehmen. Das heißt, dass es speziell für niedrig-qualifizierte Personen immer schwer bleiben wird, einen Arbeitsplatz zu finden. Hier gibt es zum Glück – auch unterstützt durch EU-Förderungen – ein gutes Netz, das Menschen, die es wirklich wollen, auch bei einer Höherqualifizierung unterstützt oder Jugendlichen beim Einstieg ins Berufsleben hilft.

Stichwort EU-Förderungen: Das Burgenland bekommt nicht mehr so viel Fördergeld. Ein Problem für die Wirtschaft?
Seit 1995 hat das Land enorme Summen in die Infrastruktur gesteckt und damit Wirtschaftsparks, Thermen oder Technologiezentren errichtet. Jetzt ist es wieder an der Zeit, die Fördertöpfe zielgerichtet für regionale Unternehmen zu verwenden. Wenn man an den richtigen Rädchen dreht, kommen wir mit dem Fördergeld sicherlich aus. Förderungen sind nur ein Teil der Standortpolitik. Eines muss sich aber ändern, und das höre ich in vielen Gesprächen: die überbordende Bürokratie bei der Förderabwicklung. Zwei Jahre auf eine Förderung zu warten, ist eindeutig zu lange.

Und was wünschen Sie sich im kommenden Jahr von der Landespolitik?
Hier ist der Abbau der Bürokratie eines unserer Kernanliegen. Burgenländische Betriebe leiden sehr unter zu vielen Kontrollen, oft nicht nachvollziehbaren Auflagen und teuren, praxisfremden Vorschreibungen. Was wir aber noch gemeinsam mit der Landespolitik angehen wollen, ist ein Vorantreiben der Internationalisierung der burgenländischen Wirtschaft. Mit Projekten wie einer gemeinsamen Dachmarke für das Burgenland sind wir hier auf einem guten Weg. Das ist ein wichtiges Thema für die regionale Wirtschaft, für die Industrie, aber genauso für den Handel und den Tourismus. Und der dritte Punkt ist ein noch klareres Bekenntnis zur Lehrausbildung. Hier müssen wir uns alle gemeinsam mehr anstrengen, damit das Image der Lehre besser wird und wir zu den Zahlen Westösterreichs, wo bis zu 50 Prozent der 15-Jährigen eine Lehre beginnen, aufschließen.