Erstellt am 03. November 2010, 15:59

32 Prozent mehr Beschwerden von Patienten. Die Gesundheits- und Patientenanwaltschaft im Burgenland hat im Vorjahr eine Zunahme der Beschwerden um über 32 Prozent registriert.

 |  NOEN, Wodicka; A-4062 Thening
Die Zahl der an die Landeseinrichtung herangetragenen Fälle stieg von 159 auf 210, geht aus dem am Mittwoch präsentierten Tätigkeitsbericht für 2008 und 2009 hervor. 2008 hatte es einen Anstieg um knapp sieben Prozent gegeben. In diesem Jahr sei die Tendenz bisher wieder rückläufig, so Patientenanwalt Josef Weiss.

Die Beschwerden beträfen zu mehr als 80 Prozent die medizinische Behandlung. Patienten würden dabei zumeist annehmen, dass ein Ärztefehler erfolgt sei. Wenn sich ein Behandlungsfehler herausstelle, wird der Fall an die Haftpflichtversicherung herangetragen, erläuterte Weiss. So wurden 27 Fälle mit einer Entschädigungssumme von etwas über 200.000 Euro abgewickelt. Freiberufliche Ärzte seien seit heuer verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von zwei Millionen Euro abzuschließen.

Außerdem sehe der jährlich mit rund 200.000 Euro dotierte Patientenentschädigungsfonds - er greift bei schwerwiegenden Komplikationen, wo jedoch keine eindeutige Haftung vorliegt - Entschädigungen bis maximal 25.000 Euro pro Patienten vor. Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Jahren an 14 Patienten rund 102.000 Euro ausbezahlt.

Bei der Bearbeitung der Fälle gibt die Gesundheitsanwaltschaft auch Gutachten sowie fachärztliche Stellungnahmen - in den vergangenen zwei Jahren waren es 93 - in Auftrag. Die Kosten dafür bezifferte Weiss mit rund 40.000 Euro. Dass im Hinblick auf die Zunahme der Beschwerden in den vergangenen zwei Jahren das Gesundheitswesen schlechter geworden sei, glaube er nicht. Aufgrund von Medienberichten steige die Beschwerdebereitschaft.

Angesichts von mehr als 60.000 stationär aufgenommenen Patienten und bei weit über 100.000 Ambulanzfrequenzen in den burgenländischen Krankenanstalten liege die Anzahl der Beschwerden "in einem Promillebereich", was für ein gutes Gesundheitswesen spreche, erklärte Gesundheitslandesrat Peter Rezar (S).

In Grenzen halte sich laut Rezar das Interesse an Patientenverfügungen: 2008 seien 16, 2009 insgesamt neun Verfügungen beurkundet und 50 Mappen mit Informationsmaterial versendet worden. Kommenden Mai feiert die Gesundheits- und Patientenanwaltschaft, die seit 2009 auch Anlaufstelle für Menschen mit Behinderungen ist, das zehnjährige Bestandsjubiläum.