Erstellt am 12. Dezember 2012, 14:40

40 Prozent der Arbeiter psychisch stark belastet. Das Vorurteil hält sich hartnäckig, aktuelle Zahlen belegen jedoch das Gegenteil: Psychische Be- oder Überlastung ist keineswegs vorwiegend auf Management-Ebene zu verorten.

Einer aktuellen Umfrage zufolge sind vier von zehn Arbeitern betroffen. Als Gründe werden in erster Linie Zeitdruck, Monotonie und Unsicherheit genannt, erläuterte AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer am Mittwoch.

Burn-out und ähnliche Erschöpfungszustände werden im Allgemeinen meist mit beruflichen Funktionen in Zusammenhang gebracht, die hohe Verantwortung mit sich bringen. Diese Last stellt zwar laut Arbeiterkammer-Studie einen nicht unwesentlichen Faktor für psychische Belastungen dar (17 Prozent), Zeitdruck (21 Prozent) und hohe Konzentration (19 Prozent) liegen allerdings davor.

Seit 2010 ist ein deutlicher Anstieg des Anteils jener Beschäftigten zu beobachten, die drei oder mehr psychische Belastungsfaktoren aufweisen. Dass hoher Zeitdruck, monotone Arbeit und unsichere Zukunftsperspektiven für rund 40 Prozent der Arbeiter zu starken psychischen Belastungen führen, könne man aktuell vermutlich am besten bei den im Handel Beschäftigten nachvollziehen, so Kalliauer. Die hauptbetroffenen Arbeiter finden sich allerdings in der Baubranche (41 Prozent), in Fabriken (39 Prozent) und an der Kassa (38 Prozent).

Die Zahl der Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen hat sich in Österreich seit 1994 fast verdreifacht, was in beträchtlichem Maße schlicht auf den kontinuierlich steigenden Zeitdruck zurückzuführen sei. Allerdings spielen auch eventuell nicht ganz so naheliegende Aspekte eine wichtige Rolle: ständige Kontrolle und mangelnde Rückzugsmöglichkeiten etwa sind für jeweils 14 Prozent der Belastungen ausschlaggebend. Darüber hinaus klagen Betroffene über Probleme mit dem Chef und Lärm (jeweils 13 Prozent).

Die Folgen der steigenden psychischen Belastungen wirken sich häufig auch körperlich aus: Zwei Drittel leiden etwa an Muskelverspannungen und/oder Rückenschmerzen, mehr als zwei Drittel (67 Prozent) sind erschöpft, 62 Prozent haben Kopfschmerzen.

Die Arbeitnehmerschützer appellierten an alle Beteiligten inklusive Belegschaftsvertretern, Maßnahmen zu ergreifen und die Hauptfaktoren und -gefahren für die psychische Gesundheit der Mitarbeiter systematisch zu ermitteln, zu beurteilen und zu dokumentieren.