Erstellt am 06. März 2012, 19:01

49% der Österreicher halten Pfusch noch immer für Kavaliersdelikt. Was denken Österreicher über Schattenwirtschaft ("Pfusch") und wie sieht die Situation wirklich aus? Antworten auf diese Fragen liefern Berechnungen und Ergebnisse repräsentativer Befragungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider.

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Demnach sagen aktuell 59 Prozent "ohne Pfuscher kann man sich heute vieles nicht leisten". Das sind um vier Prozentpunkte mehr als noch 2010. Schätzungen zufolge wird die Schattenwirtschaft 2012 wegen der positiven Wirtschaftsentwicklung aber weiter sinken.

52 Prozent der österreichischen Bevölkerung sagen "der Staat ist selber Schuld, dass es so viele Pfuscher gibt. Die Steuern sind einfach so hoch". Ein Drittel gibt zu, in den letzten zwei bis drei Jahren auf einen "Pfuscher" zurückgegriffen zu haben.

49 Prozent sagen "Dinge im Pfusch erledigen lassen" könne man als Kavaliersdelikt betrachten. 2010 lag dieser Wert allerdings noch drei Prozent höher. 29 Prozent sagen, dass durch den Pfusch dem Staat "viele Milliarden an Steuereinnahmen entgehen". Im Vergleich zu 2010 ist dieser Wert um 11 Prozentpunkte gestiegen. Allerdings sagen nur vier Prozent, Pfuscher sollte man anzeigen.

2012 werde die Schattenwirtschaft wegen der erwarteten positiven Wirtschaftsentwicklung sinken, und zwar auf geschätzt 19,61 Mrd. Euro (19,83 Mrd. Euro 2010). Das sind etwa 7,7 Prozent des offiziellen BIP. In den OECD-Ländern liegen somit nur die Schweiz (7,6 Prozent) und die USA (7,0 Prozent) unter Österreich. Der Durchschnitt aller 21 OECD-Länder beträgt 13,4 Prozent.

Das Ausmaß der Schattenwirtschaft sei u. a. von der Wirtschaftskonjunktur abhängig. Befindet sich die Wirtschaft im Aufschwung könne man zusätzliches Einkommen leichter in der offiziellen Wirtschaft erzielen. Gibt es genug legale Arbeit, werde diese von Arbeitnehmern dem Pfusch vorgezogen. Darüber hinaus liegen die Ursachen für Schattenwirtschaft in institutionellen Rahmenbedingungen, dem Beschäftigungssystem, der Struktur des Arbeitsmarktes und Werten und Einstellungen der Bevölkerung.

Am meisten gepfuscht wird in Wien mit 5,40 Mrd. Euro, gefolgt von Oberösterreich mit 3,26 und Niederösterreich mit 3,18 Mrd. Euro.

Pflege durch Pflegekräfte ohne Anmeldung durchzuführen, halten 25 Prozent der österreichischen Bevölkerung für richtig (2010: 22 Prozent; 2009: 30 Prozent).

Über ein Drittel des Pfuschs (wertmäßig 38 Prozent) passiert im Baugewerbe und Handwerksbetrieb. Je 16 Prozent der Schattenwirtschaft entfällt auf andere Gewerbe- und Industriebetriebe (Kfz, Maschinen, etc.) und Dienstleistungsbetriebe (Hotels, Gaststätten, etc.). Zwölf Prozent entfallen auf die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche und 17 Prozent auf "sonstige Gewerbebetriebe und haushaltsnahe Dienstleistungen" (Nachhilfe, Babysitten, Friseur, etc.).

Die Schattenwirtschaft stieg zwischen 1990 und 2004 deutlich an. 1990 lag das Volumen österreichweit noch bei 6,09 Mrd. Euro - das waren 5,47 Prozent. Bis 2004 stieg das Ausmaß des Pfuschs auf 23 Mrd. Euro (11,0 Prozent des BIP).

Danach schrumpfte die Schattenwirtschaft Jahr für Jahr bis 2008. Im Krisenjahr belief sich der Pfusch auf 19,92 Mrd. Euro oder 8,07 Prozent der offiziellen Volkswirtschaft. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit stieg die Schattenwirtschaft im Jahr 2009 wieder auf 20,5 Mrd. Euro an, so Schneider.

Der größte Verlierer der Schattenwirtschaft sei der Staat, dem hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge entgehen (Steuer- und Sozialversicherungsausfälle von 2,0 bis 3,5 Milliarden Euro pro Jahr). Profiteure seien dagegen alle die pfuschen und pfuschen lassen. "Viele Häuser und Eigenheime gäbe es ohne Pfusch nicht", so Schneider.