Erstellt am 18. Dezember 2012, 12:27

6.000 Firmen und 10.000 Private gingen 2012 pleite. Die Zahl der Insolvenzen bei Unternehmen und Privatpersonen blieb in Österreich 2012 trotz verschärfter Wirtschaftskrise nahezu konstant.

6.010 Firmen und 9.629 Private haben ihr Zahlungsunfähigkeit gemeldet, wobei eine Insolvenz nur möglich ist, wenn noch ein wenig Vermögen vorhanden ist. Wer nicht einmal das hat, für den ging die Schuldenspirale weiter, kritisiert der Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Erfasst werden in der Statistik nur Personen, die sich für eine Insolvenz gemeldet haben. Wer vor der Schuldenkrise den Kopf in den Sand steckt, scheint nicht auf - der KSV schätzt diese Zahl alleine im Privatbereich auf 100.000. Das Vorurteil dass die Schuldenfalle die Folge von Verschwendungssucht ist, stimmt laut KSV jedenfalls nicht. Auslöser seien vielmehr in den meisten Fällen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung und eine gescheiterte Selbstständigkeit.

Insgesamt gibt es derzeit 90.500 Personen die ein privates Entschuldungsverfahren laufen haben - dieses dauert zwischen fünf und sieben Jahre, mindestens 10 Prozent der Schulden müssen zurückgezahlt werden. Dass Schuldner auch mit einer Nullquote in Insolvenz gehen können, wie das in Deutschland der Fall ist, lehnt der KSV ab. Dies würde von ihnen den Anreiz nehmen, zumindest eine kleine Wiedergutmachung zu leisten.

Von den 6.010 Firmenpleiten konnten 2.518 mangels Vermögen nicht in ein Insolvenzverfahren übergeleitet werden. Ein großer volkswirtschaftlicher Schaden, wie KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner betont. Die Folge wäre, dass sich die Schulden weiter anhäufen und ein völliger Zahlungsausfall eintritt. Kantner warnt auch vor einer "GmbH light" - sprich einer deutlichen Senkung der Kapitaleinlage von derzeit 30.000 Euro - dieser Betrag gehöre eher angehoben und sei keineswegs als Gründungshürde zu sehen.

Privatschuldner haben im Schnitt 55.000 Euro offen

Ein durchschnittlicher Privatschuldner hat 55.000 Euro an Außenständen. Rechnet man jene Privatpersonen dazu, die aufgrund einer gescheiterten Selbstständigkeit in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert sind, dann steigt der Schuldenstand auf 128.000 Euro. Bei Firmeninsolvenzen beträgt der Schuldenberg durchschnittlich 859.000 Euro.

Die größte Pleite legte 2012 die relativ unbekannte Gashändler CE Gas Marketing & Trading mit 127 Mio. Euro Außenständen hin. Am anfälligsten waren die Branchen Dienstleistungen, Bauwirtschaft und Gastgewerbe. 22.400 Arbeitnehmer waren von Firmenpleiten heuer betroffen.

Auffällig ist die der deutliche Anstieg von 34 Prozent der Firmeninsolvenzen im Burgenland. Dies sei auf einen überproportional hohen Anteil junger Unternehmer zurückzuführen, so KSV-Experte Hans-Georg Kantner. Grundsätzlich gelte: Industrie- und exportintensiven Bundesländern gehe es besser. In der Bundeshauptstadt Wien blieb die Zahl der Firmenpleiten nahezu gleich (plus 1,7 Prozent).

Für 2013 erwartet Kantner einen Anstieg der Firmenpleiten um fünf bis sieben Prozent. Heuer lag das Plus bei 2,4 Prozent.

Bei den Privatkonkursen gibt es nach wie vor einen starken Überhang bei der Stadtbevölkerung. Heuer fällt auf, dass nur der Osten zugelegt hat, während die westlichen Bundesländer - mit Ausnahme von Vorarlberg - rückläufige Zahlen aufwiesen. Für 2013 geht Kantner von einem Anstieg der Privatpleiten von drei bis vier Prozent aus.