Erstellt am 27. April 2012, 13:11

61 Prozent trotz Einkommen mit finanziellen Sorgen. 50 Prozent der Österreicher kommen mit ihrem Einkommen gerade noch aus, elf Prozent gar nicht - das geht aus dem Arbeitsklima-Index vom Frühjahr 2012 hervor.

In bisherigen Erhebungen war immer die Hälfte der Österreicher mit ihrem Einkommen nicht oder nur knapp ausgekommen, für die andere Hälfte reichte es "vollkommen" oder "sehr gut".

Erstmals überhaupt sagten mehr als zehn Prozent, dass sie mit dem Geld nicht auskommen, sagte Christoph Hofinger vom Sora-Institut. Die Verschlechterung ziehe sich zwar allgemein durch alle Gruppen der Beschäftigten, überdurchschnittlich stark betroffen seien aber teilzeitbeschäftigte Frauen.

Die Gruppe jener, die mit ihrem Einkommen kaum oder überhaupt nicht mehr auskommen, reiche nun "weit in den Mittelstand hinein", das sei eine "erschreckende Entwicklung", warnte Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Ursache sei das "Auseinanderdriften" von Reallöhnen und Preisen.

Menschen mit Migrationshintergrund kämpfen nicht nur mit geringerer Qualifikation, sondern auch mit schlechterer Bezahlung, wenn sie einen Job gefunden haben. Arbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien verdienen für den gleichen Job rund zehn Prozent weniger als gebürtige Österreicher, Arbeiter aus der Türkei sogar rund 20 Prozent, sagt Reinhard Raml vom IFES-Institut.

68 Prozent der Migranten (selber oder Eltern im Ausland geboren) aus der Türkei sind Arbeiter. Bei Menschen aus Ex-Jugoslawien sind es 51 Prozent, bei gebürtigen Österreichern hingegen nur 26 Prozent.

Der gesamte Arbeitsklima-Index liegt derzeit bei 107 Punkten. Der Trend gehe nach unten, auch wenn der aktuelle Wert im Vergleich der 15 Jahre, die es den Index gibt, im Mittelfeld liege. "Dramatisch" sei aber ein Einbruch beim Arbeitsklima-Index für Pflichtschulabsolventen. Deren Wert liegt nur mehr bei 96, elf Punkte unter dem Schnitt.

Zugleich nimmt die Gruppe der Pflichtschulabgänger deutlich ab: Vor 30 Jahren hatten noch 46 Prozent der Österreicher keine Qualifikation, jetzt sind es weniger als 20 Prozent, und von den neu auf den Arbeitsmarkt eintretenden sind es überhaupt nur mehr zehn Prozent. Diese fühlen sich allerdings ökonomisch und psychologisch als Außenseiter.