Erstellt am 05. August 2015, 06:26

von Bettina Eder

Ab Hof und Heurige künftig barrierefrei. Bis Ende des Jahres müssen die landwirtschaftlichen Unternehmer ihre Gebäude umgerüstet haben. Prieler: „Enormer Aufwand“.

Das Gesetz wurde 2006 beschlossen, knapp zehn Jahre lief nun die Übergangsfrist. 2016 muss nun alles barrierefrei sein. Foto: Shutterstock/RioPatuca  |  NOEN, Shutterstock/RioPatuca
„Bis zum Letzten ist es nicht durchgedrungen“, vermutet Landwirtschaftskammerdirektor Otto Prieler. Gemeint ist das Ende der Übergangsfrist zur Umsetzung der Maßnahmen nach dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz. Mit 2016 müssen auch die Betriebe im Agrarsektor dem entsprechen.

Das bedeutet, dass die Gebäude der Urlaubsanbieter, Direktvermarkter (auch Winzer) mit Ab-Hof-Verkauf oder auch die Buschenschenker mit 31. Dezember diesen Jahres adaptiert sein müssen. So muss z.B. ein Heuriger dafür Sorge tragen, dass der Konsum von Speisen und Getränken sowie auch die Benutzung der Toiletten für Menschen mit Behinderungen ohne Hindernisse möglich sind.

„Wenn WC Anlagen neu gemacht werden müssen, wird’s teuer“

Grundsätzlich fallen auch die Gestaltung der Freiräume und Gastgärten, aber auch der Parkplatz, der Buffetbereich sowie die Garderobe unter dieses Gesetz. Barrierefreiheit gilt zudem für Internetseiten. Damit hatten bisher vor allem blinde und sehbehinderte Menschen große Probleme und sie konnten oft preisgünstige Online-Angebote nicht nutzen.

„Eine kleine Rampe ist schnell errichtet, aber wenn es mehrere Stiegen sind oder die WC Anlagen neu gemacht werden müssen, dann wird’s teuer“, stellt Prieler fest. Vor allem bei letzterem sieht er teilweise einen ernormen Aufwand. Dass sich der Bund bei seinen Gebäuden bis 2019 Zeit lassen kann, ärgert die Branche.

„Bei unseren Mitarbeitern in den Bezirken gab es einige, wenn auch wenige Nachfragen“, so die Koordinatorin für Erwerbskombinationen Friederike Schmitl. Sie ist damit für die Direktvermarkter und Buschenschenken zuständig. Um das Infodefizit so rasch wie möglich zu beseitigen, wurde nun auch eine Tagung von Jänner in den Herbst vorverlegt, um die Branche noch einmal zu sensibilisieren.

„Ich weiß nicht, ob es wirklich ein so großes Informationsdefizit gibt oder ob es viele einfach drauf ankommen lassen“, so der Rechtsexperte der Landwirtschaftskammer, Michael Kirnbauer, denn bei ihm gab es bis dato zu diesem Thema keine einzige Anfrage. Förderungen bzw. weitere Informationen gibt es im Bund (www.sozialministeriumsservice.at) und in der Landwirtschaftskammer.