Erstellt am 31. Oktober 2011, 13:52

Abkommen regelt Entschädigungen für Bauern. Durch die Änderung des Ökostromgesetzes verspüren die Betreiber von Windkraftanlagen Rückenwind. Standorte für neue Anlagen sind deshalb sehr gefragt. Für das Aufstellen von Windrädern werden die betroffenen Grundbesitzer entschädigt.

 |  NOEN
Im Burgenland bemüht sich die Landwirtschaftskammer um Rahmenvereinbarungen mit den Betreibern, um für die Landwirte einheitliche Bedingungen zu schaffen. Mit der BEWAG-Tochter AWP wurde ein solches Abkommen bereits geschlossen und nun neu verhandelt, teilte die Kammer am Montag mit.

Zweck solcher Übereinkommen, die auch mit anderen Betreibern angestrebt werden, sei, "dass die Bauern nicht mehr über den Tisch gezogen werden", so Johann Pötz von der Landwirtschaftskammer. Viele Firmen und Organisationen wollten sich derzeit mittels Optionsvereinbarungen die Flächen zum Bau von Windrädern sichern: "Um die Windgebiete ist jetzt ein bisschen ein Wettlauf im Gange." Manche Anbieter gingen dabei "rein spekulativ" vor und würden die erworbenen Optionen zum Teil weiterveräußern.

Eine Rahmenvereinbarung soll für die Bauern Sicherheit auch hinsichtlich des möglichen späteren Abbaus der Windkraftanlagen schaffen: Sonst könnte etwa beim Konkurs eines Betreibers der Landwirt für Kosten von 60.000 bis 70.000 Euro für den Abbau des Windrades aufkommen müssen.

Zielsetzung sei eine einheitliche Regelung. Mit der AWP hatte die Landwirtschaftskammer bereits einen Vertrag. Diesen habe man Ende Juni gekündigt und neu verhandelt. Mit dem Ergebnis seien beide Seiten zufrieden, sagte Pötz. Im Raum Tadten - St. Andrä im Bezirk Neusiedl am See sei ein anderer Betreiber unterwegs. Mit ihm werde demnächst ebenfalls verhandelt.

Mit dem Rahmenabkommen sei für den einzelnen Landwirt der Vertrag mehr oder weniger ausgehandelt: Berücksichtigt werden dabei unter anderem die Entschädigung für den Standort sowie Montage, Kranaufstellflächen und Zufahrtswege. Auch für die Überragungsfläche - der Grund, über dem sich die Rotorblätter bewegen - sei die finanzielle Abgeltung geregelt.

Erstmalig bekommen Landwirte auch für an eine Windkraftanlage angrenzende Flächen eine Entschädigung, "damit auch die Akzeptanz erhöht wird für die Nachbarn", erläuterte Pötz. Dieser neben dem Standort und der Überragungsfläche "dritte Ring" befindet sich - je nach Anlagengröße - derzeit in einem Radius bis zu etwa 100 Meter um das Windrad.

Die neue Vereinbarung mit der AWP sehe eine Begrenzung des Optionszeitraumes auf vier Jahre sowie eine Bezahlung vor. Wird kein Windrad aufgestellt, kann die Option gegen eine erneute Entschädigung um weitere vier Jahre verlängert werden.

Wie hoch die Zahlung im Einzelfall ist, sei - im Hinblick auf unterschiedliche Standorte und Anlagengrößen - schwierig zu berechnen. Insgesamt komme man für die Standfläche der Anlage selbst einschließlich der Überragungs- und der benachbarte Grundstücksflächen bei grober Schätzung im Schnitt auf rund 8.000 Euro pro Jahr. Stellt ein Landwirt nur den Standort zur Verfügung oder sei er lediglich mit einer Nachbarfläche betroffen, reduziere sich dieser Betrag entsprechend. In der Regel verteile sich die Entschädigung für eine Anlage zumeist auf verschiedene landwirtschaftliche Betriebe.

Die Details zur Errichtung eines Windrades regelt eine Grundnutzungsvereinbarung. Bei solchen Verträgen sei derzeit eine Dauer von 25 Jahren üblich. Es gebe aber auch bei ein paar Anlagen Laufzeiten von 30 Jahren. Mit einer Vereinbarung, wo der Betreiber sich eine 50-jährige Laufzeit ausbedungen hat, sei man "sehr unglücklich", so Pötz. Denn dieser Zeitraum umfasse mehrere Generationen. Im Burgenland sind derzeit 206 Windkraftanlagen in Betrieb, davon werden 138 von der AWP betrieben.