Erstellt am 04. Juli 2012, 07:12

Ärzte als Mangelware. Kassenärzte werden immer weniger. Patienten müssen in Zukunft mit längeren Wartezeiten beim Doktor rechnen.

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VON DORIS SEEBACHER

In den Randgebieten wie dem südlichen Burgenland oder dem östlichen Nordburgenland wird bald keine 100-prozentige Versorgung durch Kassenärzte mehr gewährleistet sein. Der von der Ärztekammer Burgenland befürchtete Ärztemangel ergibt sich vor allem durch die derzeitige Altersstruktur. Denn von den 144 Kassen-Allgemeinmedizinern werden bis 2025 109 in Pension gehen (das sind 76 Prozent). Derzeit seien zwar noch alle Planstellen besetzt, doch die Zahl der Bewerber gehe stark zurück. „Angesichts der schlechter gewordenen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise der Wegfall von Hausapotheken, sind Stellen nicht mehr so attraktiv“, erklärt Michael Lang, Präsident der Ärztekammer Burgenland.
Kritik gibt es dazu aus dem Büro von Gesundheitslandesrat Peter Rezar: „Die unflexible Vergabe von Kassenstellen in den letzten Jahren, wo auch die Ärztekammer mit eingebunden ist, ist mit ein Grund für die jetzige Situation“.

Längere Fahrzeiten und Wartezeiten für Patienten

Was bedeutet das nun aber für die Patienten? „Generell werden sich die Anfahrtswege zum Arzt verlängern“, so Lang, genauso wie die Wartezeiten in den Ordinationen. „Benachteiligt sind hier wieder einmal die älteren und finanziell benachteiligten Bevölkerungsschichten“, sagt Lang.
„Im Sommer 2011 kam es im Burgenland erstmals dazu, dass Turnusarztstellen mangels Bewerber unbesetzt geblieben sind“, so Lang. Aber auch Fachärzte fehlen, unter anderem im Bereich Chirurgie, Anästhesie, Gynäkologie und Radiologie. „Notfallmäßige Operationen wie Blinddarm, Darmverschluss oder Herzinfarkt gibt es nur mehr in Oberwart und in Eisenstadt“, erklärt Lang die dramatische Situation und nennt auch Lösungsvorschläge. „Eine Entbürokratisierung in den Spitälern ist dringend notwendig. Wenn es zur Umsetzung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) in der geplanten Form kommt, wird das noch schlimmer“, befürchtet Lang.

Massive Kritik hagelt es für ELGA

Lang weiter: „Erst vor kurzem hat ein Patient zu mir gesagt: ,Herr Doktor, jetzt haben Sie mich eine Minute untersucht und sitzen schon fünf Minuten vor dem Computer.‘“ Und: „Hier wird Geld verschwendet, das dem Gesundheitssystem an allen Ecken fehlt“, so Lang abschließend.