Erstellt am 04. Oktober 2012, 10:39

AK: "Corporate Governance Kodex" völlig unwirksam. Zehn Jahre nach der Einführung des "Corporate Governance Kodex" in Österreich zieht die Arbeiterkammer eine negative Bilanz.

"Freiwillige Benimmregeln für börsenotierte Firmen nützen nichts, wenn sich praktisch niemand daran hält", kritisiert die AK. In der Ära des "Kodex" habe ein Skandal den anderen gejagt und der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten sei nach wie vor "niedrigst".

Statt auf Freiwilligkeit zu setzen, sollte es deshalb verbindliche Regeln geben, fordert die Arbeiterkammer, z.B. wirksame Maßnahmen gegen Korruption. Die Managergehälter sollten an Kriterien wie Angemessenheit und Nachhaltigkeit ausgerichtet werden und in den Aufsichtsräten sollte eine Frauenquote von 40 Prozent gelten, wünscht sich die AK. Im September 2012 seien in allen an der Wiener Börse gelisteten Unternehmen nur fünf Frauen (3 Prozent) im Vorstand vertreten gewesen, lediglich 11 Prozent der Aufsichtsräte seien weiblich.

Beim Geld hört sich offenbar die Bereitschaft zur Selbstverpflichtung auf: Am häufigsten werde die Empfehlung zur individuellen Angabe der Vorstandsvergütung missachtet. Sechs von zehn Unternehmen nennen keine individuellen Vorstandsgehälter. Die freiwillige Verpflichtung zu angemessener, an Nachhaltigkeit orientierter Vorstandsvergütung umgehen vier von zehn Unternehmen. Ein Drittel weigere sich überhaupt, die Grundsätze der Vergütung zu nennen, kritisiert die AK.

16 Prozent der Unternehmen (11 Firmen) bekennen sich laut AK noch immer nicht zum Kodex, etwa Porr, A-Tec Industries oder Ottakringer. Nur drei Unternehmen (Do&Co, voestalpine, Wienerberger) würden sich an alle Kodex-Empfehlungen und an Maßnahmen zur Frauenförderung halten.