Erstellt am 14. Juli 2011, 14:09

AK für niedrigere Überziehungszinsen. Herr und Frau Österreicher sollten ihr Gehaltskonto nie überziehen, keine Geschäfte am Bankschalter tätigen und ihre Ersparnisse woanders als am Konto anlegen. Zu diesem Schluss kommt die Arbeiterkammer (AK), die 40 Kontomodelle von 20 Banken untersuchte.

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Die AK fordert höhere Guthabenzinsen, niedrigere Überziehungszinsen und die Offenlegung aller möglichen Spesen im Internet. Zudem prüft man rechtliche Mittel gegen die vom Raiffeisenverband Salzburg geplante Bankomatgebühr. "Wir gehen davon aus, dass diese nicht rechtlich gedeckt ist", so Gabriele Zgubic von der AK am Donnerstag in Wien vor Journalisten.

"Wer sein Konto überzieht, zahlt drauf und wer im Plus ist, bekommt nicht wirklich viel", so Zgubic. Durchschnittlichen "Pluszinsen" von 0,125 Prozent würden "Minuszinsen" von 9,5 Prozent gegenüberstehen. Ist man demnach 365 Tage mit 1.500 Euro im Plus, bekommt man - nach Abzug von 25 Prozent Kapitalertragssteuer - ganze 1,41 Euro Zinsen. Ist man mit dem gleichen Betrag ein Jahr lang im Minus, werden Zinsen in der Höhe von 142,5 Euro fällig. "Das empfinden wir als ungerecht", stellte die Konsumentenschützerin klar.

"Die Guthabenzinsen müssen rauf, die Überziehungszinsen runter", schlussfolgerte Zgubic. Die laut AK "höchsten" Guthabenzinsen liegen bei einem Prozent (easybank und Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien), die höchsten Überziehungszinsen bei 13,25 Prozent (BAWAG P.S.K. und UniCredit Bank Austria).

Anders sieht das die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Bankkunden in Österreich zahlen rund ein Drittel weniger als in anderen europäischen Ländern", betonte Herbert Pichler, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung, in einer Aussendung. Österreich liege im Vergleich mit elf europäischen Ländern - darunter Deutschland, Italien, und Frankreich - auf dem vierten Platz, das hätte eine beim Beratungsunternehmen Capgemini und den Marktforschern von GfK Austria in Auftrag gegebene Studie gezeigt.

Die WKÖ weist auf das Gesamtpaket an Zahlungsverkehrs-Leistungen hin, das "in Österreich bei Privatkunden wie bei Firmen besonders günstig" sei, so Pichler gegenüber der APA. Daher plädiert er auch für Gelassenheit bei der Debatte um eine im Raum schwebende Bankomatgebühr.

Die AK prüft momentan rechtliche Schritte, sollte der Raiffeisenverband Salzburg - wie geplant - ab 1. Oktober 80 Cent verrechnen, wenn ihre Kunden bei institutsfremden Bankomaten Geld abheben. Andere Banken gaben im Juni an, keine derartigen Pläne zu haben. Es sei aber "jedem Unternehmen überlassen, seine Preise zu gestalten", so Pichler. Er weist auch auf Deutschland hin, wo es bereits so eine Gebühr gibt.

Durchschnittlich zahlen die Österreicher laut Arbeiterkammer 73,65 Euro pro Jahr für ihr Gehaltskonto. Darin sind bis zu 240 Buchungen - Einzahlungen, Auszahlungen sowie Überweisungen und Daueraufträge - enthalten, aber keine Überziehungszinsen. Spesenfallen, die diesen Betrag rasch erhöhen können, sind Erlagscheinzahlungen an institutsfremde Konten (2 bis 7 Euro), Rückleitungsspesen bei ungedeckten Daueraufträgen (1,75 bis 10,48 Euro) oder Mahngebühren (4,65 bis 50 Euro).